Samstag, 18. November 2017

Juniper Networks (JNPR): Netzwerkspezialist und Cisco-Konkurrent, der nicht mit Eon's Spinoff Uniper zu verwechseln ist

Juniper Networks (JNPR): Netzwerkspezialist und Cisco-Konkurrent, der nicht mit Eon's Spinoff Uniper zu verwechseln ist

Im Zuge der Analyse von Cisco hatte ich mir auch mal angeschaut, welche Konkurrenten es so gibt und bin dabei auch auf Juniper Networks (JNPR) gestoßen. Vom Namen her waren sie mir natürlich auch bekannt (v.a. da Leute bei Erwähnung des EON-Spin Offs Uniper öfter mal durcheinander kamen, ob man jetzt über das Netzwerk- oder das Energieunternehmen sprach). Aber was genau sie im Angebot haben und wie ihre Geschäftszahlen im Detail aussehen, wollte ich mir separat einmal anschauen.

Zum Unternehmen:

Juniper Networks wurde im Jahr 1996 durch den Inder Pradeep Sindhu, sowie die erfahrenen Ingenieure Dennis Ferguson (Hardware-Spezialist) und Bjorn Liencres (Software-Spezialist) gegründet. Genau wie Cisco bieten sie v.a. Produkte und Dienstleistungen rund um Netzwerktechnik an - wenn auch etwas fokusierter. Dies beinhaltet Routing-, Switching- und Sicherheitlösungen, sowie sonstige netzwerkrelevante Services. V.a. in den letzten Jahren wurde das Wachstum durch Cloudanbieter getrieben, die mittlerweile auch einen großen Teil der Kunden von Juniper darstellen. Sie nennen diese nicht direkt, aber dabei dürfte es sich u.a. um das Who-Is-Who der Branche handeln (sprich Amazon mit dem Amazon Web Services, Google, Microsoft, Facebook, Apple und IBM).

Mit dem Gründer Pradeep Sindhu gibt es auf der Webseite von Sramana Mitra unter diesem Link ein sehr interessantes und ausführliches Interview. Dort geht er sowohl auf seinen Werdegang ein als auch auf die Entwicklung der Netzwerktechnik und des von ihm gegründeten Unternehmens. Er hat einen akademischen Hintergrund und arbeitete danach bei Xerox. Als diese dann seine Ideen nicht wirklich unterstützten, gründete er Juniper. Er war anfangs CEO und wechselte kurze Zeit später in den Aufsichtsrat, da ihm laut eigener Einschätzung die Erfahrung des Operativen fehlte (nicht des Technischen). Gleichzeitig war er auch als CTO tätig und beeinflusste so die technische Entwicklung maßgeblich mit. Direkt und indirekt hält er immer noch einen (für Gründerverhältnisse überschaubaren) Teil am Unternehmen (knapp 3,9 Mio., wenn die Zahlen bei Gurufocus stimmen).

Hier einmal die Umsatzverteilung für die einzelnen Geschäftsfelder aus dem letzten Quartalsbericht für das letzte Quartal und die ersten 9 Monate des Geschäftsjahres 2017.

Und hier die zugehörige Umsatzverteilung einmal unterteilt auf die Kundensegmente:

Insgesamt gab es in 2017 bisher ein leichtes Umsatzwachstum. Das letzte Quartal war allerdings nicht so erfolgreich, wodurch dann auch der Kurs zurückgegangen ist. Der CEO Rami Rahim sagte im Conference Call zu den Q3-Zahlen, dass auch in den nächsten Quartalen die Umsätze schwer vorhersehrbar sind. 'Der Markt' sieht aktuell dunkle Wolken am Himmel von Juniper (siehe auch diesen Artikel hier).

Der aktuelle CEO Rami Rahim ist übrigens seit 2014 im Amt und bereits seit 1997 im Unternehmen. Durch seine lange Zugehörigkeit und den technologischen Hintergrund bringt er meiner Meinung nach genau das mit, was man als CEO eines solchen Unternehmens braucht. Das, was er z.B. im Conference Call und auch in diesem Fortune-Interview sagt, klingt interessant und einleuchtend. Er scheint mal auf jeden Fall nicht so ein Geschichtenerzähler und Showman zu sein, wie Elon Musk, der ja mit seiner Roadster- und Truck-Präsentation kürzlich auch wieder sehr geschickt von den Model-3-Produktionsproblemen abgelenkt hat.

langfristiger Chartverlauf:

Eine gewisse Ähnlichkeit zum Cisco-Chart ist unverkennbar. Mega-Anstieg bis 2000, Mega-Absturz bis 2002 und ab da eigentlich Seitwärstbewegung mit gelegentlichem Auf und Ab. In den letzten Jahren haben v.a. die Umsätze aus dem Cloud-Geschäft für moderates Wachstum gesorgt.

Geschäftszahlen 2005-2017:

Die Geschäftszahlen gefallen mir ehrlich gesagt recht gut und ähnlich dem Chartverlauf ist eine Parallelität zu Cisco zu erkennen. Auch dort verläuft das Umsatzwachstum seit 2010 eher schleppend. Vor allem cashflowseitig ist Juniper sehr stark. Was die EK- und GK-Rendite angeht, verzerrt meiner Meinung nach der recht hohe Bestand an Cash und Investitionen (knapp 4 Mrd. USD - v.a. im Ausland; Schulden etwa 2 Mrd. und Marktkapitalisierung knapp 10 Mrd.) das Bild gewaltig. Was mich stört, ist der hohe Goodwill-Bestand, der sich durch Unternehmensübernahmen angesammelt hat. Die Neubewertung dessen führt immer wieder zu Ausreißern bei den Gewinnen. Vom Cashflow her war man immer positiv, aber sowohl 2006 als auch 2014 rissen Goodwill-Abschreibungen ein großes Loch in die Gewinn- und Verlustrechnung.

Was gefällt mir an Juniper Networks:

  1. Technologisch gesehen sind sie seit ihrer Gründung mit vorne dabei. Bei Forschung und Entwicklung laufen mit einem recht konstanten Anteil von 20 % des Umsatzes (752.8 von 3787.7 in den ersten 9 Monaten) auch die höchsten Aufwendungen auf. Bei Cisco sind es knapp 12,5 % und bei F5 Networks etwa 17 % des Umsatzes - also relativ gesehen weniger.
  2. Das KGV ist mit 15 insgesamt gesehen durchschnittlich. Im Vergleich mit den Mitbewerbern ist es leicht unterdurchschnittlich (Cisco z.B. mittlerweile wieder rund 19, F5 Networks rund 18). Was mir allerdings gefällt, ist das Verhältnis von Free Cashflow zum Enterprise Value, welches - rechnet man den bisherigen Free Cashflow in 2017 mal aufs Gesamtjahr hoch - mit 6,2 als recht günstig angesehen werden kann.
  3. Neben einer Dividende (aktuell 10 cent pro Quartal bzw. 40 cent pro Jahr, was eine Rendite von etwa 1,5 % ergibt) werden opportunistisch Aktienrückkäufe durchgeführt. Laut Geschäftsbericht sollen auch weiterhin rund 50 % des erwirtschafteten Free Cashflow auf diese Weise an Aktionäre verteilt werden, was bei der aktuellen Bewertung meiner Meinung nach eine gute Idee ist.
  4. Trotz rund 2,1 Mrd. an Finanzschulden, auf die Zinsen zwischen 3,125 % und 5,95 % zu zahlen sind, kann man Juniper durch die hohen Cashbestände und Investitionen als schuldenfrei ansehen.
  5. Sie könnten auch relativ stark von Trumps Steuerplänen profitieren. Sie haben mit einer Steuerquote von 27 % eine wesentlich höhere, als z.B. Cisco (meist um die 20 %) und haben zusätzlich einen recht hohen Cashbestand im Ausland angesammelt, den sie dann evtl. steueroptimiert zurück in die USA holen könnten (einmalige 10 % Steuer). Die hohe Steuerquote kommt wohl auch daher, dass sie bereits jetzt einen Großteil ihres Geschäfts in ihrer Heimat tätigen (knapp 60 % der Umsätze in Amerika, ca 25 % in Europa und 15 % in Asien).
  6. Cashflowseitig waren sie durchgehend profitabel. Der Free Cashflow war immer höher, als die ausgewiesenen Nettogewinne.
  7. Was Marktkapitalisierung bzw. Enterprise Value im Vergleich zur Ertragskraft angeht, gibt es aktuell sicherlich uninteressantere Übernahmeziele auf dem Markt. Und Unternehmensübernahmen sind in dem Bereich Gang und Gäbe (siehe Dell/EMC oder HPE/Aruba Networks oder Junipers zahlreiche Übernahmen in der Vergangenheit).
  8. Der CEO gefällt mir von dem, was er sagt, ganz gut. Scheint kein Blinder zu sein. Hier z.B. noch ein weiteres Interview mit ihm.
  9. Zum Thema Optionen: es sind 1 Mio ausstehend Ende September mit Ausübungspreis 35.56 (d.h. bei aktuell 26 $ mehr oder weniger wertlos). An Restricted Stock Units gibt es 19.3 Mio. mit Ausübungspreis 25.23 $. D.h. aus der Richtung ist keine echte Verwässerung bzw. hohe Kosten auf Juniper-Seite zu erwarten.
  10. Die Datenmengen, welche zu transportieren sind, werden auch in Zukunft immer weiter zunehmen. Neben dem 'normalen Internetverkehr' über Webseiten und Emails, dem Internet of Things (d.h. Geräte, welche über das Internet kommunizieren und sich Informationen aus dem Netz holen), Videoconferencing und dem Video-Streaming in immer höherer Qualität würde ich sogar den Zahlungsverkehr per Kryptowährung als zusätzlichen wichtigen Faktor sehen. Die Blockchain von Bitcoin hat bereits jetzt eine Größe von mehr als 130 GB. Und da diese Blockchain auf vielen Rechnern vorliegen muss und in dieser Informationen zu allen Transaktionen, die es je gegegeben hat und die aktuell anstehen, gespeichert werden, wird die Größe und der damit verbundene Abgleich- und Validierungsdatenverkehr weiter exponentiell wachsen (bis zum Zusammenbruch des Systems :-)). Auf jeden Fall wird es auch in Zukunft wichtig sein, den Datenverkehr so effektiv wie möglich zu gestalten und hier ist Juniper eben einer (wenn in vielen Fällen nicht sogar) der Technologieführer. Wenn ein Kunde in dem Bereich ein Produkt auswählen muss, so muss das primär verlässlich und schnell sein. Der Preis kommt meiner Meinung nach erst danach.

Was gefällt mir nicht an Juniper Networks:

  1. 3 Mrd. an Goodwill in Betrachtung der Unternehmensgeschichte 2006/2014. So was kann es auch zukünftig wieder geben, was an den Märkten nicht so gut ankommt.
  2. Sie sind in einem hart umkämpften Feld unterwegs mit zahlreichen Wettbewerbern. Auf den Lorbeeren ausruhen ist da nicht. Zusätzlich gibt es in dem Geschäft nicht so eine Konstanz, wie z.B. im Lebensmittelbereich oder im Bereich der Produkte des täglichen Bedarfs. Wie man bei Juniper sehr gut sehen kann, sind die Umsätze schwerlich punktgenau vorhersagbar und auch kundenseitig gibt es immer mal wieder Verschiebungen bei den Investitionszeitpunkten.
  3. Die Insiderbeteiligung könnte größer sein. Der CEO hat z.B. mit seinen direkt und indirekt gehaltenen rund 588' Aktien 'nur' knapp 14 Mio. USD im Spiel. Und auch so sehe ich kaum Käufe am offenen Markt von den Kollegen.
  4. Sie sind unbestreitbar in einer zyklischen Branche unterwegs. An den Zahlen von 2009 kann man recht gut erkennen, wie es aussehen kann, wenn die Kunden etwas zurückhaltender mit Investitionen werden.

Versuch einer Bewertung:

  • Bear Case: Umsatz geht um 5 % p.a. zurück und die FCF-Marge sinkt auf 10 %. Es gibt keine Aktienrückkäufe, so dass die Zahl der Aktien für das Rechenbeispiel bei 375 Mio. bleibt. Als fairen KFCF-Wert habe ich 8 genommen.
  • Normal Case: Umsatz bleibt konstant und die FCF-Marge beträgt 13 %, was etwa dem Mittelwert der letzten 5 Jahre entspricht. Es werden 5 Mio. Aktien pro Jahr zurückgekauft und als fairen KFCF-Wert nehme ich 10 an.
  • Bull Case: Umsatz steigt mit 5 % pro Jahr und die FCF-Marge landet bei 18 % (bisher 25 % dieses Jahr, was aber auch signifikant höher liegt, als der langjährige Schnitt - in 2016 war es etwa 18 %). Es werden 10 Mio. Aktien pro Jahr zurückgekauft und als fairen KFCF-Wert nehme ich 12 an.

Mit diesen Annahmen und Wahrscheinlichkeitsverteilungen von 20 % für den Bear-Case und jeweils 40 % für Normal und Bull würde man auf einen gewichteten fairen Wert von rund 25 $ kommen, der leicht unter dem aktuellen Kurs liegt. Sprich also eine Überbewertung, wenn man auch noch eine Sicherheitsmarge mit einfließen lässt. Nimmt man die Cashbestände mit rein (bereinigt um Schulden etwa 5 $ pro Aktie) und vergleicht die Kennzahlen mit anderen Branchengrößen wie Cisco oder F5 Networks, liegt mit meiner Betrachtungsweise eher eine leichte Unterbewertung vor. Ein klares Ergebnis sieht anders aus.

Fazit:

Mir Juniper näher anzuschauen, war eine gute Entscheidung. Es ist ein extrem interessantes Unternehmen und ohne die Analyse hätte ich auch nie das tolle Interview des Firmengründers Pradeep Sindhu gelesen. Der kurzfristige Ausblick sieht so la la aus - weder rosig noch schwarz. Langfristig gesehen können sie meiner Meinung nach von ihrer (wie ich finde hohen) Angebotsqualität profitieren. Bisher habe ich mir noch keine Anteilsscheine von ihnen besorgt und bevor ich das evtl. tue, schaue ich mir demnächst wenn Zeit ist erst noch F5 Networks an, bei denen ich ja schon einmal Aktionär war (siehe auch 'Die wichtigste Eigenschaft eines Investors: Geduld'). Oder aber den Highfligher der Branche - Arista Networks.

Wichtiger Hinweis:

Die Zahlen wurden von mir selbst zusammengetragen und können Fehler enthalten. Für die Richtigkeit wird keine Gewähr übernommen. Dieser Artikel stellt nur eine Meinungsäußerung dar, aber keine Aufforderung zum Handeln in irgendeiner Art und Weise. Sollte sich jemand entschließen, in das genannte Wertpapier zu investieren, so sollte derjenige bzw. diejenige selbst entsprechende Nachforschungen und Überlegungen anstellen.

Freitag, 10. November 2017

Warren Buffett-Biographie "Das Leben ist wie ein Schneeball" von Alice Schröder

Warren Buffett-Biographie "Das Leben ist wie ein Schneeball" von Alice Schröder

Ich habs geschafft, mich zum zweiten Mal durch die 1000+-Seiten-Biographie von Warren Buffett zu arbeiten und muss sagen, dass es eine der besten Biographien ist, die ich bisher gelesen habe. Eins vorweg: wer lernen möchte, besser zu investieren, dem seien eher Warren Buffetts kostenlos verfügbare 'Briefe an die Aktionäre' ans Herz gelegt bzw. Lawrence A. Cunningham's Kurzzusammenfassung derer namens 'Die Essays von Warren Buffett: Die wichtigsten Lektionen für Investoren und Unternehmer'. Wer aber herausfinden möchte, warum Warren so ist, wie er ist (er ist schon irgendwie ein wenig freaky - siehe hier), der kann dies ansatzweise durch 'Das Leben ist wie ein Schneeball' tun.

Zur Autorin:

Die Autorin Alice Schröder veröffentlichte das Buch erstmals Ende September/Anfang Oktober 2008. Ich las die 3. Auflage aus dem Jahr 2010, welche noch ein weiteres Kapitel zur Finanzkrise enthält, die ja Ende 2008 noch in vollem Gange war. Schröder selbst war nach ihrem MBA-Abschluss einige Zeit in der Finanzindustrie tätig und ab 1993 als Finanzanalystin für Versicherungsunternehmen. So kam sie dann in Kontakt mit Buffett. Mit diesem arbeitete sie dann ab 2003 an der genannten Biographie. Dabei verbrachte sie knapp 2000 Stunden mit ihm und führte zusätzlich Interviews mit über 250 beteiligten Personen. Dieser Aufwand lässt sich im Buch selbst wiederfinden, welches über 1000 Seite stark ist und dessen Fußnoten allein mehr als 100 (!) Seiten ausmachen.

Zum Inhalt:

Das Buch beginnt mit einem Kapitel über die Sun Valley-Konferenz in 1999. Zu dieser Zeit kritisierten viele Leute Buffetts Investmentstil als altmodisch und führten seine leicht hinter dem Markt zurückgebliebenen Resultate der vorangegangenen Jahre/Monate darauf zurück, nicht bei der großen Party namens 'Das Internet ist die Zukunft' mitzumachen. Diesen sagte er sinngemäß, dass die Realität auch sie einholen wird und dass es unmöglich ist, dass die Aktienkurse dauerhaft losgelöst von den harten Fakten (sprich Umsätzen, Gewinnen und Cashflows) agieren können. Der Höhepunkt dieser 'Losgelöstheit' folgte zwar erst noch im März 2000, aber im Nachhinein hatte er mit seinen Aussagen, die er damals getroffen hatte, Recht, wie wir jetzt wissen.

Es gab vorher und nachher immer wieder Leute, die sich über Buffett lustig gemacht haben (hier z.B. einmal ein Buffett-Bashing-Video von Jim Cramer aus 2009), aber bisher hatte er doch meist das bessere Ende auf seiner Seite. Von daher bin ich z.B. auch voll bei ihm, wenn er zur aktuellen Bewertung an den Märkten sagt, dass sie mit den aktuellen Gegebenheiten nicht zu hoch sind. Aber das nur am Rande.

Ab Kapitel 6 beginnt die eigentliche Biographie. D.h. hier wird beschrieben, wie Buffett seine Kindheit verbrachte (in Omaha, Nebraska - wo er auch jetzt noch/wieder lebt) und aus welchen Verhältnissen er stammt. Sein Vater war Aktienbroker und wurde hart von der Weltwirtschaftskrise ab 1929 getroffen. Später war er republikanischer Kongressabgeordneter und damit verantwortlich dafür, dass Buffett sein geliebtes Omaha zeitweise verlassen musste. Buffett selbst hat noch 2 Schwestern, die mit ihm gemeinsam die nicht wirklich leichte Kindheit mit einer - sagen wir mal eher gefühlskalten - Mutter verbrachten. Es werden diverse Anekdoten aus seiner Kindheit erzählt, die erkennen lassen, dass er wohl schon immer Zahlenmensch und Geschäftsmann war. So kaufte er beispielsweise Sixpacks Cola und verkaufte sie dann einzeln, um einen Gewinn zu erzielen. Oder aber er trug Zeitungen aus, was auch seine Leidenschaft für das Verlagswesen erklärt. Oder aber er machte bereits mit 14 seine erste Steuererklärung, bei der er Uhr-Reparaturkosten und Aufwände für ein Fahrrad geltend machte.

Auch enthalten sind Abschnitte über sein Wirtschaftsstudium an der Columbia University in New York. Dieses absolvierte er z.B. teilweise bei dem von ihm hoch angesehenen Benjamin Graham, dem 'Paten des Value Investing' und (Mit-)Autor der klassischen Investmentbücher 'Security Analysis' und 'The Intelligent Investor'. Für diesen arbeitete er später auch, obwohl dieser ihn initial abgelehnt hatte. Die von Graham favorisierte Art des Investierens (nennen wir es Net-Net-Strategie oder auch CigarButt-Investing) prägte seinen Weg auch lange Jahre und sie war ein Grund dafür, dass er sich irgendwann das Textilunternehmen Berkshire Hathaway aus Neuengland ans Bein band. Nun ja - der Rest ist wie immer Geschichte. Die Class A-Aktie von Berkshire ist mit aktuell über 270.000 $ pro Aktie (!) die mit Abstand teuerste der Welt.

Der Mittelteil des Buches beschreibt Buffetts weiteren Werdegang mit seiner nach ihm benannten Investmentgesellschaft und später nach deren Auflösung mit Berkshire als Haupt-Investmentvehikel. Unter anderem enthalten sind Abschnitte zu Blue Chip, Geico (KFZ-Versicherer), Washington Post, Mrs. B's Nebraska Furniture Mart, American Express, Coca Cola oder den Salomon Brothers. Aus diesen wird ersichtlich, dass auch bei Buffett nicht immer alles glatt lief. U.a. fungierte er bei dem Finanzinstitut Salomon Brothers als Interim-CEO, um sie vor dem Untergang zu bewahren. Das war im Endeffekt schon mal so was wie ein Vorgeschmack auf den 'Lehman Brothers-Untergang', der einige Jahre später folgen sollte. Der 1991 am Salomon Brothers-Skandal beteiligte John Meriwether sollte u.a. in 1997 beim Zusammenbruch des Hedge-Funds Long Term Capital Management auch wieder Buffetts Weg kreuzen.

Zum Ende des Buches hin zeigt sich, dass Buffett auch im hohen Alter noch daran gelegen ist, sein Lebenswerk Berkshire zu vervollständigen und anderen Investoren Wissen zu vermitteln. Den Abschluss des Buches bildet eine Darstellung der Finanzkrise - soweit das zu der Zeit schon möglich war.

Fun Facts zum Abschluss:

  1. Er verdiente als junger Mann u.a. Geld damit, dass er Pinball-Automaten kaufte und in Frisörläden der Stadt aufstellte.
  2. Er gab Abendkurse zum Thema Investing. Einige der Teilnehmer wurden auch Anleger bei ihm und später auch Berkshire-Aktionäre. Die Teilnahme war eindeutig der Lottogewinn der anderen Art.
  3. Seine Liebe zum Verlagswesen war u.a. durch seine enge Freundschaft zur langjährigen Washington Post-Matriarchin Katharine Graham ersichtlich. Unter seinem Management gewann die Zeitung 'The Omaha Sun' in den 70er Jahren einen angesehenen Pulitzer-Preis.
  4. Seit vielen Jahren pflegt er eine enge Freundschaft mit Bill Gates, dem Microsoft-Gründer auch langjährigen reichsten Mann der Welt. Mit diesem spielt er viel Bridge und Gates hat von Buffett viel über Investments lernen können. Den Großteil seines Vermögens hat er an die Bill und Melinda Gates-Stiftung vermacht.
  5. Nach dem Tod seiner ersten Frau Susie heiratete er 2006 seine langjährige Haushälterin Astrid Menks (geboren in Lettland). Diese wurde ihm von seiner Frau Susie vermittelt (Kümmer dich bitte um ihn). Siehe auch hier.
  6. Er hatte früher Probleme vor Anderen zu reden und machte daraufhin Dale Carnegie-Kurse. Ein Zertifikat eines solchen Kurses hängt auch in seinem Büro. Das Carnegie-Buch "Wie man Freunde gewinnt: Die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden" - von einem Bekannten von mir auch das Marienkäferbuch genannt - gehört eigentlich auch zur Pflichtliteratur eines jeden. Aus dem von ihm belegten Kurs resultiert wohl auch Buffetts Einstellung zum Thema Gerechtigkeit. Ich hatte beispielsweise in der Vergangenheit einmal einen Brief mit einem Autogrammwunsch an die Berkshire-Zentrale in Omaha geschickt. Die Autogramme wollte ich für meine Mädels haben, um diese später einmal entsprechend motivieren zu können (schaut mal - Autogramme vom größten Investor aller Zeiten). Dem Brief legte ich sogar 2 Dollar bei für das Rückporto. Irgendwann nach knapp 2 Monaten kam ein Schreiben von Berkshire zurück. An diesem waren die 2 Dollar angeheftet und im Text stand mehr oder weniger, dass Herr Buffett meinem Anliegen leider nicht nachkommen kann, da er sonst alle Anderen auf dieser Welt benachteiligen würde, denen er auch schon einen Autogrammwunsch verwehrt hatte. Warren Buffett wie er leibt und lebt sage ich mal... Leider habe ich das Schreiben nicht mehr.
  7. Für viele ist Warren Buffett der lebende Beweis dafür, dass man auch mit relativ ungesunder Lebensweise alt werden kann. Er macht kaum Sport, trinkt viel (ausschließlich?) Cola und liebt Fast Food + Steaks.
  8. Warren Buffett ist für den Namen dieses Blogs verantwortlich. Nachdem ich Buffettology gelesen hatte, programmierte ich mir ein kleines Werkzeug, welches anhand der darin beschriebenen Bewertungsmethode das Potential von Aktien bemisst. Als Namen wählte ich damals EasyWISA, was für 'Easy Warren Inspired Stock Analyser' steht.
  9. Er ist eine Lernmaschine. Er liest extrem viel (siehe auch hier). Was das angeht, habe ich mich z.B. auch zum Kauf des Buches 'Break Through Rapid Reading' und dem Bau folgender Vorrichtung inspirieren lassen:
    Damit stimmt der Winkel, die Beleuchtung und man kann ein Buch in aufrechter Haltung lesen. Alles wichtige Faktoren, um schnell vorwärts zu kommen. Aber ich schweife ab :-)

Fazit:

Wie schon eingangs geschrieben ist das Buch nicht wirklich dazu geeignet, aus dem Leser einen besseren Investor zu machen, sondern lediglich, ihn Buffett besser verstehen zu lassen. Für Leute, die daran Interesse haben, kenne ich kein besseres, als 'Das Leben ist wie ein Schneeball'. Im Buch sind neben den wirtschaftlichen Vorgängen durchgängig auch viele Informationen privater Natur enthalten. Diese zeigen mir allerdings auch an Buffetts Beispiel, dass man zwar in einem Gebiet richtig gut sein kann (in seinem Falle dem Investieren), aber dass dabei viele andere Sachen auf der Strecke bleiben. Diese zahlreichen Informationen haben bei mir auf jeden Fall zu dem Schluss geführt, dass ich nie wirklich so werden möchte, wie Buffett. Das was er im Geschäft an Genie mitbringt, fehlte ihm viele Jahre auf privater Ebene in hohem Maße. So verließ ihn seine geliebte Frau Susie mehr oder weniger aufgrund seiner emotionalen Beschränktheit und seiner oft sehr kindischen Art. Und auch zu seinen drei Kindern baute er - so zumindest der Eindruck beim Lesen des Buches - erst ein echtes Verhältnis auf, als diese erwachsen waren und eigentlich bereits ihren eigenen Weg gegangen waren. Auch sein ständiges Streben nach Anerkennung von Außen ist nicht so meins. Was diesen Bereich angeht, bin ich eher bei seinem Berkshire-Zwilling Charlie Munger, zu dem ich in Zukunft sicher auch noch mal was schreiben werde.

Für Leute, die lieber kompakte Zusammenfassungen mögen, oder Leute, die gerne mehr über Buffett erfahren möchten, kann ich folgende knapp 1,5 h lange extrem sehenswerte HBO-Dokumentation zu Buffett auf Youtube empfehlen:

Dienstag, 7. November 2017

Perion Network - Israelisches 'Ad Tech Solutions'-Unternehmen als Turnaround-Kandidat

Perion Network - Israelisches 'Ad Tech Solutions'-Unternehmen als Turnaround-Kandidat

Schon längere Zeit (genauer seit 2015) habe ich das israelische Technologieunternehmen Perion Network (PERI) auf meiner Watchlist stehen und wollte einmal kurz einen Blick darauf werfen. Es war mir jüngst wieder ins Auge gesprungen, da ich mir einerseits zuletzt Unternehmen aus der Netzwerkbranche angeschaut hatte und andererseits, da es extrem viele Minus-Zeichen in der Kennzahlen-Tabelle hatte in Verbindung mit einem positiven niedrigen einstelligen Kurs-Free-Casfhlow-Verhältnis. Und niedrige Kurs-Free-Cashflow-Verhältnisse haben im Allgemeinen immer meine Aufmerksamkeit.

Zum Unternehmen:
Das Unternehmen ist - anders als sein Name vermuten lässt - nicht wirklich in der gleichen Branche wie z.B. Cisco oder Juniper Networks unterwegs, sondern im Bereich Internet-Such- und Werbelösungen (Ad Tech Solutions). Perion war früher als IncrediMail bekannt und unter diesem Namen auch seit 2006 börsennotiert. Ab 1999 boten sie Email-Lösungen an und erweiterten ihr Geschäft durch zahlreiche Firmenzukäufe hin zu dem, was sie jetzt tun: Online-Werbung möglichst effektiv an den Mann oder die Frau zu bringen. Seit Ende 2011 sind sie als Perion Network unterwegs, wobei Perion das hebäische Wort für Produktivität ist.

Aktuell haben sie hauptsächlich folgende Sachen im Angebot:

  • Undertone: Erstellung hochwertiger Werbeanzeigen für verschiedenste Bildschirmformate (Smartphone, Tablet, PC)
  • CodeFuel: V.a. geht es hier um die Integration von Suchlösungen in eigene Applikationen. D.h. im Endeffekt integriert man hier eine Suche in seine eigene Applikation und wenn jemand diese Suche nutzt, wird er zu Bing (die Microsoft-Suchmaschine) weitergeleitet. Dort werden dann - wie bei Google auch - Werbeanzeigen eingeblendet, die zu den Suchbegriffen passen. Klickt dann ein Anwender auf eine solche Suche, wird für Bing Umsatz generiert (Kosten/Click) und man selbst als Applikationsentwickler bekommt dann von Bing genau so eine Provision, wie CodeFuel/Perion.
  • MakeMeReach: Lösung zur Kampagnenerstellung und -optimierung für diverse Social Media Kanäle wie Facebook, Twitter oder Snapchat.
  • Smilebox: Ermöglicht u.a. einfache Erstellung von Grußkarten, Einladungen, Mini-Präsentationen etc.
  • IncrediMail: Ermöglicht die Erstellung schicker Mails. Sie bieten hier diverse Hintergründe, Emoticons und sonstige animierte Grafiken.

Smilebox und IncrediMail sind ganz nett, reißen mich aber nicht wirklich vom Hocker. Diese beiden Angebote wirken ein wenig wie Überbleibsel aus der 'alten' Internetwelt, als man Leute noch mit bunten EMails hinter dem Ofen hervorlocken konnte. Die anderen 3 Angebote sind da schon interessanter, wobei es hier zahlreiche Wettbewerber gibt und die Werbebranche ja notorisch unterbudgetiert ist. Ich würde da vom Angebot her erst mal nix sehen, was andere nicht auch könnten. HTML5, CSS3 und JavaScript können heute viele Leute und Unternehmen und ich kenne da persönlich auch einige, die extrem was drauf haben, sich aber gleichzeitig leider unter Wert verkaufen.

Das Wachstum wurde seit geraumer Zeit anorganisch durchgeführt - sprich über Unternehmenskäufe. 2011 wurde Smilebox für 32 Mio. Dollar gekauft, 2012 SweetPacks für 41 Mio., 2014 Conduit’s ClientConnect-Geschäft für 600 Mio., 2014 GrowMobile für $42 Mio., 2015 MakeMeReach (Betrag konnte ich nicht herausfinden) und auch in 2015 Undertone für 180 Mio. Die momentane Marktkapitalisierung liegt bei rund 82 Mio. und der Enterprise Value bei etwa 124 Mio. Da scheint wohl einiges schief gelaufen zu sein.

Chartverlauf:

Jupp. Da ist wohl tatsächlich einiges schief gelaufen. Bei diesem Kursverlauf und den genannten Kaufpreisen für die erworbenen Unternehmungen kann man eindeutig erkennen, dass das Geld nicht weg ist. Es hat nur jemand Anderer, als die Perion-Aktionäre.

Zugehörige Geschäftszahlen:

Die Geschäftszahlen passen zum Chartverlauf. Besonders ins Auge springt hierbei die Anzahl an Aktien, die jetzt knapp 8 mal so hoch liegt, wie vor 10 Jahren. Ein Großteil der Unternehmensübernahmen wurde also über Kapitalerhöhungen/Ausgabe neuer Aktien finanziert. Zusätzlich ist der Goodwill-Anteil aufgrund der Unternehmensübernahmen im Vergleich zur Marktkapitalisierung auch relativ hoch. Im ersten Halbjahr 2017 wurde eine Abschreibung für den Untertone-Goodwill vorgenommen, wodurch auch der hohe Verlust in 2017 erklärbar ist. Der Cashflow ist durchgängig positiv und rechnet man den Free Cashflow aus dem ersten Halbjahr einmal aufs Gesamtjahr hoch, hätte man ein Kurs-FreeCashflow-Verhältnis von lediglich rund 4 bzw. ein EV-FreeCashflow-Verhältnis von etwa 6. Das wäre auf dieser Basis also durchaus günstig. Auch bezogen auf den Umsatz bzw. den Buchwert ist das Unternehmen aktuell historisch gesehen eher als unterbewertet anzusehen.

Was gefällt mir nicht an Perion:

  1. Umsatzseitig schwanken die Zahlen doch relativ stark. Die Umsätze im Such-Bereich sind leicht rückläufig. Im Undertone-Bereich sollen sie demnächst wieder wachsen.
  2. Es gibt eine relativ starke Abhängigkeit von einem Kunden, der für 50 % der Umsätze zuständig ist. Dieser ist Microsoft Bing. Die Zusammenarbeit mit Bing wurde kürzlich allerdings um 3 Jahre verlängert.
  3. Ein weiterhin sehr hoher Goodwill-Anteil könnte zu weiteren Abschreibungen in Zukunft führen.
  4. Die Kapitalallokation war in der Vergangenheit nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Aufwand (v.a. finanziell) und Nutzen (sprich zählbare Erträge) stehen in keinem guten Verhältnis. Hier wurden allerdings schon Konsequenzen gezogen, da seit Anfang des Jahres Doron Gerstel als neuer CEO das Sagen hat.
  5. Die Fremdkapitalfinanzierung ist doch schon relativ teuer: bei Kredite LIBOR zzgl. 3,5-5 % bzw. 5-6 % auf die Wandelanleihe.

Was gefällt mir an Perion:

  1. Auch wenn in Sachen Umsatz und Gewinne die Zahlen stark schwanken, waren zumindest die Cashflows immer positiv.
  2. Der neue CEO Doron Gerstel hat mit der Abschreibung - welche sicherlich nicht die letzte war - gleich mal dafür gesorgt, dass er in den kommenden Jahren besser dastehen kann. Das Gute an hohen Verlusten ist, dass selbst kleine Gewinne dagegen in den Folgejahren gut aussehen.
  3. Gerstel hat eine gewisse Branchenerfahrung vorzuweisen. U.a. wurde das von ihm als CEO geleitete Unternehmen Nolio 2013 an CA Technologies verkauft und Panaya, bei denen er auch CEO war, wurde 2015 von Infosys geschluckt. Mit Turnarounds und Übernahmen scheint er also durchaus bewandert zu sein. Die von ihm bisher kommunizierten Schritte (engere Verzahnung der Teilbereiche um Kunden auch Komplettangebote bieten zu können) lesen sich auf jeden Fall schon mal ganz gut.
  4. Die Verschuldung ist rückläufig. Es sind aktuell rund 64 Mio. an fremden Mitteln ausstehend. Ein Großteil steht 'erst' 2019 zur Rückzahlung/Ablösung an und sollte eigentlich aus verfügbaren Mitteln und generierten Cashflows bedienbar sein, wenn nichts dazwischen kommt.
  5. Es gibt zwar 13,4 Mio. ausstehende Optionen. Diese sind allerdings aus aktueller Sicht als eher wertlos anzusehen, da sie einen durchschnittlichen Ausübungspreis von 2,38 $ haben. Hier fällt allerdings auf, dass in 2017 9,2 Mio. neue Optionen zu 1,75 $ ausgegeben wurden. Dieser Ausübungspreis liegt zwar knapp 60 % über dem aktuellen Kurs, stellt aber auch eine gewisse Motivation für das aktuelle Führungsteam dar, das Ruder erfolgreich rumzureißen.
  6. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis ist mit 0,3 als relativ niedrig anzusehen - auch mit Branchenmaßstäben. Das hochgerechnete Kurs-FreeCashflow-Verhältnis von 4 ist sehr niedrig und das Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,5 würde zumindest dafür sorgen, dass ein übernehmendes Unternehmen keinen weiteren Goodwill anhäuft, sondern nur den aus der Perion-Bilanz übernimmt. Andere Unternehmen aus der Werbebranche wie z.B. Omnicom könnten an Perion interessiert sein. Es gibt echt schlimmeres, als 300 Mio. Umsatz mit positiven Cashflows und überschaubarer Verschuldung für lediglich rund 82 Mio. am Markt angeboten zu bekommen.
  7. Aus den Unternehmensteilbereichen gab es zuletzt einige positive Meldungen. U.a. wurden sowohl MakeMeReach als auch Undertone offizielle Snapchat-Partnerunternehmen und MakeMeReach hat 2017 einen Preis gewonnen für eine Disney-Instagram-Kampagne.
  8. Durch die hohen Verluste im aktuellen Jahr und in 2015 haben sich einige Verlustvorträge angehäuft, die in Zukunft steueroptimierend eingesetzt werden könnten.

Bewertung:
Für Perion sehe ich 3 Möglichkeiten der Bewertung: entweder es läuft richtig schlecht weiter (z.B. mit 10 % Umsatzverlust p.a. und sehr niedriger FCF-Marge von 2 %), es läuft so bescheiden weiter, wie bisher (u.a. 0 % Umsatzwachstum und FCF-Marge von 8 %) oder aber der Turnaround gelingt (u.a. 5 % Umsatzwachstum und 10 % FCF-Marge). Für die 3 Szenarien habe ich jetzt einmal eine Wahrscheinlichkeit von 50/30/20 % angenommen. Auf Basis der erwirtschafteten Cashflows würde ich zu folgendem Bewertungsergebnis kommen:

Der aktuelle Kurs liegt bei etwas über einem Dollar. Mit dem Bewertungsergebnis hätte man trotz relativ pessimistischer Annahmen ein Potential von etwa 30-40 %. Eine Sicherheitsmarge wäre also vorhanden.

Fazit:
Perion hat einige Argumente, die dafür sprechen und einige, die dagegen sprechen. Ein Investment in dieses Unternehmen ist mit hohen Risiken verbunden, auch dadurch, dass es eine so kleine Marktkapitalisierung besitzt und nur überschaubare Handelsaktivitäten stattfinden (v.a. in Deutschland). Trotzdem habe ich mir einmal eine kleine Position ins Depot gelegt, v.a. um das Unternehmen nicht aus den Augen zu verlieren. Je nach Gelingen der Turnaroundaktivitäten oder aber einer höheren Insiderbeteiligung, die nicht als Optionsausübung stammt, würde ich dann auch noch aufstocken. Investoren, die aus Risikogesichtspunkten dankend abwinken, machen hier aktuell wahrscheinlich auch nichts falsch.

Wichtiger Hinweis:
Die Zahlen wurden von mir selbst zusammengetragen und können Fehler enthalten (Interpretationsfehler, Übersetzungsfehler, Berechnungsfehler etc.). Für die Richtigkeit wird daher keine Gewähr übernommen. Ich bin kein professioneller Investor oder Anlageberater! Dieser Artikel stellt nur eine Meinungsäußerung dar, aber keine Aufforderung zum Handeln in irgendeiner Art und Weise. Sollte sich jemand entschließen, in das genannte Wertpapier zu investieren, so sollte derjenige bzw. diejenige selbst entsprechende Nachforschungen und Überlegungen anstellen. PLEASE DO YOUR OWN RESEARCH!

Samstag, 28. Oktober 2017

Robert Kiyosaki - Cashflow Quadrant

Robert Kiyosaki - Cashflow Quadrant

Meine Urlaubslektüre des vergangenen Jahres war u.a. 'Rich Dad, Poor Dad' des amerikanischen Unternehmers Robert Kiyosaki. Dieses laut seiner Aussage meistverkaufte Buch des Themenbereiches 'Selbsthilfe Finanzen' handelte von Kiyosakis Denkweisen im Bezug auf finanzielle Angelegenheiten, welche maßgeblich von seinen 2 Vätern beeinflusst wurden. Sein einer Vater (Poor Dad) war ein Beamter, der stets auf Sicherheit und Bildung aus war. Sein anderer Vater (Rich Dad - eigentlich der Vater seines Kumpels Mike) dagegen war Schulabbrecher, Unternehmer und sein Ratgeber in Sachen finanzielle Bildung. Im Verlaufe des Buches kam er bereits mehrfach auf den sogenannten Cashflow Quadranten zu sprechen, der seiner groben Einteilung der (amerikanischen) Arbeiterschaft entsprach. Diese 4 Quadranten sind Hauptbestandteil von Robert Kiyosakis zweitem Bestseller 'Cashflow Quadrant', den ich hiermit vorstellen möchte.

Zum Buch:
Das Buch erschien erstmals 1998 und ich las die Auflage aus dem Jahr 2011. Es hat etwa 370 Seiten und einen einfachen Schreibstil. Die Schriftgröße ist genau richtig, was ein nicht zu unterschätzender Faktor ist. Das schreibe ich aus dem Grund, da ich mir aktuell Daniel Kahnemans 'Thinking, Fast And Slow' nebenher zu Gemüte führe und dessen Minischrift als extrem anstrengend empfinde. Der Preis des Buches ist mit ab rund 7 € bei Amazon als günstig zu bezeichnen. Auf jeden Fall finde ich, dass diese 7 € besser angelegt waren, als die 6 € Versandkosten bei 'Reicher als die Geissens'.

Zum Autor:
Der Autor Robert Kiyosaki ist ein 1947 auf Hawaii geborener amerikanischer Geschäftsmann. Er hat es - nachdem er zeitweise obdachlos was - zusammen mit seiner Frau Kim geschafft, Geschäfte aufzubauen, die sowohl im 'Financial Education'-Bereich, als auch im Immobilienbereich erfolgreich sind. Über die 'Rich Dad Company' vertreiben sie Bücher, Kurse und unter anderem auch das Cashflow 101-Spiel, mit dem man es schaffen soll, sein Denken im Bezug auf finanzielle Angelegenheiten in die richtigen Bahnen zu lenken. Im Endeffekt haben sie es im Laufe der Jahre geschafft, in den beiden Quadranten B und I Erfolg zu haben und dort Reichtum anzuhäufen.

Zum Inhalt:
Doch was hat es mit den Cashflow Quadranten nun auf sich? Laut der Darstellung Kiyosakis (bzw. eigentlich seines Rich Dads) gibt es 4 Quadranten, die auch auf dem Buchtitel zu sehen sind. Links gibt es die E- (Employee - Angestellter) und S-Quadranten (Self-Employed - Selbständig) und rechts gibt es die B- (Business Owner - Geschäftsmann) und I-Quadranten (Investor). Der Großteil der Leute ist auf der linken Seite beheimatet und wiederum ein Großteil dieser Leute kann man im Endeffekt als Arm im Bezug auf Geld bezeichnen. Das betrifft hierbei nicht die Höhe der Einküfte, sondern das Verhältnis von monatlichen Einnahmen im Verhältnis zu den monatlichen Ausgaben.

Die linke Seite (E + S):
Eines der Hauptaugenmerke der Leute auf der linken Seite ist das Streben nach Sicherheit. V.a. im E-Quadranten ist das 'Schule -> Uni -> Job, um über die Runden zu kommen und ggf. irgendwann Rente zu bekommen' weit verbreitet. Der S-Quadrant (zu dem ich mich zählen würde) ist da schon einen Schritt weiter. Die meisten Leute in diesem Quadrant arbeiten auf Stundensatzbasis (Rechtsanwälte, freiberufliche Ingenieure, Ärzte, Physiotherapeuten) und verdienen sehr gut. Sie haben sich teilweise aus dem Sicherheitsnetz des Staates verabschiedet. Allerdings ist es auch bei Ihnen so, dass sie in den meisten Fällen gezwungen sind, selbst zu arbeiten, damit Geld reinkommt (und um die (Konsum-)Schulden zu begleichen). Laut der Aussage von Kiyosaki ist man als Selbständiger so lange im S-Quadrant, wie man es sich nicht leisten kann, ein Jahr nicht zu arbeiten und danach immer noch ein florierendes Geschäft vorzufinden.

Größtenteils ist es so, dass die Konsumausgaben auf der linken Seite (E + S) parallel zum Gehalt steigen und man bei den Einnahmen und Ausgaben oft nur ein ausgeglichenes Verhältnis vorfindet. Mit dem ersten Gehalt wird sich ein neues Auto geleistet (mit Finanzierung). Mit der ersten Gehaltserhöhung kann man sich eine größere Wohnung leisten und einen großen Flachbildfernseher (mit Finanzierung). Zwischendurch leistet man sich mal einen Urlaub (mit Finanzierung), damit man sich vom stressigen Arbeitsalltag erholen kann. Mit der nächsten Gehaltserhöhung kann man sich plötzlich ein eigenes Haus leisten (zumindest scheinbar bei der aktuellen Zinslage)... Und plötzlich hat man ein Sammelsurium an Konsumentenkrediten und einer Hypothek an der Backe, mit der man gezwungen ist, brav jeden Morgen aufzustehen, an die Arbeit zu fahren und drauf zu hoffen, dass man die Schulden bis zum Renteneintrittsalter zurückbezahlt hat. Aber man hat ja ein eigenes Haus... Oder doch nicht? Weil rein technisch gehört es bis zum Begleichen der letzten Rate eigentlich der Bank. Was im Falle von Krankheit, Arbeitslosigkeit, Scheidung oder ungepantem Nachwuchs passiert, kann sich bei diesem Konstrukt jeder selbst ausmalen.

Die rechte Seite (B + I):
Im B- und I-Quadrant profitiert man v.a. von '... anderer Leute'. Der Geschäftsmann baut ein Geschäft auf und lässt Leute, die bestimmte Sachen besser können als er (Termine machen, Sachen herstellen, Webseiten erstellen, Verkaufen, Putzen, Buchhaltung, Verträge aufsetzen), für sich arbeiten und bezahlt diese dafür. Anfangs wird vielleicht noch einiges selbst getan, aber am Ende ist der Geschäftsmann eher eine Art Dirigent. Im Gegensatz zu dem E- und S-Bereich verdient in diesem Falle das von ihm erstellte System Geld (sollte es zumindest). Hier verdient er quasi mit 'Der Zeit anderer Leute' (OPT - other people's time).

Der I-Bereich (Investor) ist dagegen etwas kniffeliger, da sich viele Leute dort wähnen (mich eingeschlossen), aber nur die wenigsten Leute auch wirklich dort sind. Kiyosaki hat dafür die '5 Stufen der Investoren' als Modell entwickelt.

  • Stufe 1 ist der Investor ohne finanzielle Bildung und eigentlich auch ohne Geld. Dieser investiert nicht wirklich.
  • Stufe 2 ist der Sparer. Diesem geht Sicherheit über alles, aber eigentlich verliert er nur den Kampf gegen die Inflation.
  • Stufe 3 ist derjenige, der denkt, dass er es drauf hat. Allerdings ist er eher ein Zocker. Er kauft, weil beim Aktionär geschrieben wurde, dass bei Unternehmen XYZ bald die Rakete abhebt. Alternativ ist er von chinesischen Unternehmen BlaBlubb-SolarInternetTechnologies begeistert, da er dort für 1500 € fast 170000 Aktien bekommt. Dass es Geschäftsberichte gibt, weiß er zwar. Das Lesen dieser empfindet er aber als überflüssig, da es zu wenig Adrenalin durch seine Adern fließen lässt.
  • Stufe 4 ist der Investor, der seine Investmententscheidungen auf Grundlage von greifbaren Informationen trifft. Bevor er ein Investment durchführt, schaut er sich Geschäftsberichte und Branchen an und versucht, eine Vorhersage über die zukünftige Entwicklung zu treffen. In vielen Fällen läuft das aber nebenher (d.h. neben dem Hauptberuf). Hier würde ich mich selbst einordnen, aber gleichzeitig auch Leute sehen, die passiv in ETFs investieren, um ihr ROIT (Return On Invested Time) zu optimieren.
  • Stufe 5 ist der Investor, der viele Jahre Erfahrung in einem oder mehreren Teilbereichen (Immobilien + Aktien) gesammelt hat. Die Erträge dieses Bereichs (=passives Einkommen) machen einen großen Teil seiner Einkünfte aus. Dort erwirtschaftet Geld Geld. Und v.a. im Immobilienbereich ist es das 'Geld anderer Leute' (OPM - other people's money), welches dann zu entsprechenden Einkünften führt.

Fazit:
Kiyosaki beschreibt auf oftmals amüsante Weise die zahlreichen Aspekte der verschiedenen Quadranten und versucht am Ende des Buches zu helfen, dass sich der Leser einerseits seine eigene Situation bewusst macht und dann auch den Weg in Richtung B + I einschlägt.

Er selbst hat den Großteil seines Vermögens durch geschickte Nutzung steuerlicher Gegebenheiten und des Finanzsystems im Bezug auf Kauf und Vermietung von Immobilien gemacht. Sein Geschäft (die 'Rich Dad Company') ist im Endeffekt sein System des B-Bereiches, welches er aufgebaut hat. An dieser Stelle kann ich auch Herrn Alex Düsseldorf Fischer wiederfinden, der mit hoher Wahrscheinlichkeit zumindest 'Rich Dad, Poor Dad' auch gelesen hat. Oder alternativ den von mir durchaus geschätzten Internetunternehmer Kolja Barghoorn, der aktuell vereinfacht gesagt versucht, das '... mit Kopf'-System aufzubauen (Aktien mit Kopf, Versicherungen mit Kopf).

Man muss anmerken, dass das Buch v.a. über und für Amerikaner geschrieben ist, die in vielen Dingen doch eine etwas andere Denke haben (Kreditkartenschulden, hohe Kreditschulden nach dem Studium, Kauf eines größeren Hauses aus Steuergründen). In Deutschland ist es meiner Meinung nach noch nicht ganz so stark ausgeprägt, wie im Buch dargestellt, aber wir befinden uns auf einem 'guten' Weg dahin.

Einige seiner Vergleiche habe ich so noch nirgends gelesen bzw. hatte ich so noch nicht wirklich bewusst als solches wahrgenommen. Z.B. schreibt er von legalen Ponzi-Schema (eine Art Schneeballsystemen). Bei einem Ponzi-Schema nutzt man ja das Geld, welches durch neue und bestehende 'Investoren' reinkommt, um an anderer Stelle die vorherigen 'Investoren' auszubezahlen. Das lockt neue 'Investoren' an und das System wächst und wächst, bis es irgendwann zusammenbricht. Herr Madoff hat das in den 2000er Jahren recht erfolgreich durchgezogen (Madoff made off with the money). Jeder vernünftige Mensch würde von sich behaupten, dass er nie bei so etwas mitmachen würde. Aber mal in die Runde gefragt: Wie läuft das eigentlich mit der Umlageverfahren im Rentensystem? Wie gesagt - legales Ponzi-Schema :-)

Das Buch hat mir in Summe sehr gut gefallen, da es mir einmal mehr gezeigt hat, dass man selbst etwas tun muss und dass von nix nix kommt. Das einzige Problem: ich weiß noch nicht, welches System ich aufbauen werde. Dafür bin ich leider noch zu sehr im S-Quadrant gefangen. Aber ich bin dran :-)

Allen, die bis hierher durchgehalten haben, sei nochfolgendes kurzweiliges Video von Robert Kiyosaki empfohlen:

Samstag, 14. Oktober 2017

'Peter Lynch - Learn to Earn' oder 'Was in 22 Jahren aus Disney, Nike, Pepsi, Ben & Jerry's und Microsoft werden kann'

'Peter Lynch - Learn to Earn' oder 'Was in 22 Jahren aus Disney, Nike, Pepsi, Ben & Jerry's und Microsoft werden kann'

Den 1995 erschienen letzten Teil der Peter Lynch-Trilogie namens 'Learn to Earn' hatte ich zwar seit einiger Zeit im Schrank stehen, war aber irgendwie noch nicht dazu gekommen, ihn zu lesen. Seine ersten 2 Bücher 'One up on Wall Street' und 'Beating the Street' hatte ich ja bereits vorgestellt und ich war gespannt, was er noch so alles zu berichten hatte.

'Learn to Earn' hat auf dem Titel eine wichtige Information stehen, die - im Gegensatz zu Alex Fischers Ansage 'Mit null Euro Startkapital in fünf Jahren zum Immobilien-Millionär' - einen etwas realistischeren Blick auf den Inhalt darstellt. Der Untertitel "a beginner's guide to the basics of investing and business" trifft den Anspruch des Buches ganz gut. Auf rund 250 Seiten gibt das Duo Lynch/Rothchild erneut viele Informationen rund um die Geschichte der Börse, des Kapitalismus und vieler Unternehmen preis. So schreiben sie einiges über die Besiedlungspioniere der Mayflower, die ersten amerikanischen Banken, den Ökonomen Adam Smith, Karl Marx + den Kommunismus, den Eisenbahnbau, diverse Börsencrashes etc. Der Inhalt des Buches ist sehr interessant, wobei es teilweise wie ein Werbeprospekt für den Kapitalismus in Reinform wirkt. Es wird anhand großartiger Unternehmer wie Bill Gates oder Steve Jobs aufgezeigt, dass man in Amerika mittlerweile alles erreichen kann. Dass dabei allerdings viele auf der Strecke bleiben bzw. geblieben sind, wird oft nur am Rande erwähnt.

An Handwerkszeug für den Investor werden einem in diesem Buch wirklich nur absolute Grundlagen beigebracht (wie kommt ein Unternehmen an die Börse, was ist eine Bilanz, was ist das KGV), was dazu führt, dass es einem - wenn man die ersten beiden Bücher von ihm/ihnen bereits gelesen hat - eher wie ein Schritt zurück vorkommt. Von daher macht es absolut Sinn, dieses Buch vor 'One up on Wall Street' und 'Beating the Street' zu lesen. Leute, die schon länger investieren und sich ein wenig mit Buchhaltung auskennen, können diesbezüglich eher weniger dazu lernen.

Für einen Aspekt ist das Buch allerdings extrem gut geeignet: Für das Aufzeigen des Faktes, dass man mit sorgfältiger Auswahl an hochwertigen Unternehmen den Markt über einen längeren Zeitraum schlagen kann - egal, wie lustig sich Kollege 'Fuck You Money'-Pascal in seinem Blog über aktive Anleger auch immer wieder macht... Lynch selbst hat das ja als Fondsmanager bewiesen (durchschnittliche jährliche Rendite von über 29 % über mehr als ein Jahrzehnt) und auf Seite 127 den Buches kann man ein sehr gutes Beispiel finden.

Eigentlich wollte er nur aufzeigen, dass man mit Musterdepots schon zu der Zeit experimentieren konnte und dass man für Betrag X unterschiedlich viele Aktien bekommt. Er schrieb, dass man sich einfach vorstellen sollte, man hätte 100' Dollar und würde dann zu gleichen Teilen in seine 5 Lieblingsunternehmen investieren. Als diese nannte er Disney, Pepsi, Nike, Ben & Jerrys und Microsoft. Wichtig hierbei: das Buch ist aus 1995! Es ist kein Rückblick á la 'Schau mal. Meine besten Investments...'

Disney hatte gerade wieder seine Zeichentrickmaschinerie ans Laufen bekommen. Aber weder Cap Cities/ABC (inkl. ESPN), noch Pixar, noch Marvel, noch Lucasfilm gehörte ihnen. Pepsi war die Nummer 2 nach Coca Cola im Softdrinkgeschäft (ist es immer noch). Nike's Zugpferd Nummer 1 - Michael Jordan - war gerade erst wieder von seinem Baseball-Ausflug zurückgekehrt. Ben & Jerrys, der Eishersteller aus Vermont, war noch ein relativ kleines (aber stark wachsendes) Unternehmen. Und Microsoft war gerade bei der Fertigstellung von Windows 95. Ihr weitverbreitetstes Produkt war MS DOS 6.2.2, welches ich zu der Zeit selbst nutzte. Da musste man noch Befehle eingeben, um Programme zu starten. Nicht wirklich vergleichbar mit dem Ich-Tippe-Mit-Dem-Finger-Auf-Das-Display-Und-Bin-Der-Checker von heute...

Zurück zu seinem Beispiel: Er schrieb, dass man Folgendes für die jeweils 20' $ bekommen hätte am 21.04.1995:

  1. 365 Disney-Aktien zu etwa 54,75 $
  2. 274 Nike-Aktien zu etwa 73,13 $
  3. 485 Pepsi-Aktien zu 41,25 $
  4. 1.584 Ben & Jerry's-Aktien zu 12,62 $
  5. 267 Microsoft-Aktien zu 75 $

Was hätte man heute: 22 Jahre sind eine verdammt lange Zeit. In dieser Zeit gab es zahlreiche Splits bei den Unternehmen und auch mindestens 3,5 größere Krisen (1997 die Asien-Krise, ab 2000 Platzen der Dot Com Blase, 2008 die Finanzkrise und 2016 die Wahl von Donald Trump). Bezüglich der Splits habe ich auf der Split-History-Webseite folgende Informationen finden können:

  1. Disney führte 1998 einen 3:1-Split durch. D.h man hätte jetzt die 3-fache Menge an Aktien, sprich also 1095 Stück. Zum aktuellen Kurs von 97,38 $ wären diese also rund 106' $ wert.
  2. Nike führte 1995, 1996, 2007 und 2012 jeweils 2:1-Splits durch. D.h. man hätte jetzt die 16 fache Menge an Aktien, sprich also 4.384 Stück. Zum aktuellen Kurs von 50,98 $ wären diese also rund 223' $ wert.
  3. Pepsi führte 1996 einen 2:1-Split durch. D.h. man hätte jetzt die doppelte Menge, sprich also 970 Stück. Zum aktuellen Kurs von 112,62 $ wären diese also rund 109' $ wert.
  4. Ben & Jerry's wurde 2000 durch Unilever gekauft. Diese bezahlten damals 43,60 $ pro Aktie. D.h. für die 1.584 Aktien hätte man rund 69' $ bekommen. Dafür hätte man dann alternativ Unilever kaufen können. Die wären in 2000 zwischen 16 und 23 € zu haben gewesen und stehen aktuell bei rund 51 €. Für das Rechenbeispiel nehmen wir aber einfach die 69' her, die man von Unilever bekommen hätte.
  5. Microsoft führte 1996, 1998, 1999 und 2003 jeweils 2:1-Splits durch. D.h. man hätte jetzt wie bei Nike auch die 16 fache Menge an Aktien, sprich 4.272 Stück. Zum aktuellen Kurs von 77,49 $ wären diese also rund 331' $ wert.

In Summe hätte wir also allein an Kurswerten rund 838' $. Und da haben wir die 69' $ aus dem Ben & Jerry's Verkauf 17 Jahre lang nicht arbeiten lassen. Zusätzlich haben wir auch keinerlei Dividenden berücksichtigt. Disney zahlt aktuell 0,78 $ Dividende / Halbjahr, Nike aktuell 0,18 $ Dividende / Quartal, Pepsi aktuell 0,81 pro Quartal und Microsoft 0,39 $ Dividende / Quartal. Von Disney würde man somit mit der splitbereinigten Anzahl an Aktien 1.700 $ pro Jahr bekommen, von Nike 3.100 $ pro Jahr, von Pepsi 3100 $ pro Jahr und von Microsoft 6.600 $ pro Jahr - Tendenz steigend. In Summe bekäme man also 14.500 $ - also eine Rendite von 14,5 % bezogen auf das initiale Investment von 100' $. Das ist der Zinseszins in Aktion.

Vergleich zu Alternativinvestments:
Der DAX stand am 21.04.1995 bei 2.029 Punkten (jetzt bei etwa 13.000). 100' in einem DAX-ETF wären also auf etwa 640' angewachsen. Auch recht respektabel. Der S&P 500 stand damals bei etwa 520 Punkten (jetzt bei etwa 2.550 Punkten). 100' in einem S&P-500-ETF wären also auf etwa 490' angewachsen. Nicht schlecht. Der hochgelobte MSCI World stand am genannten Datum bei rund 670 Punkte und aktuell bei etwa 2.000. 100' in einem S&P-500-ETF wären also auf etwa 298' angewachsen. Auch respektabel - aber eben doch weit entfernt vom Ergebnis der 5 genannten Unternehmen exkl. Dividende. Einzig der MDAX hätte das Ergebnis übertroffen. Der stand am 21.04.1995 bei 2.318 und zuletzt bei 26.000 - also rund 11 mal so hoch. Damit wäre man Millionär gewesen. Bei einem 4 % - Festgeldkonto hätte man in den 22 Jahren mit den 100' etwa 227' ohne Betrachtung der Steuer auf die jährlichen Zinsen. Der Goldpreis lag im April '95 bei umgerechnet etwa 390 (jetzt 1.300). Die 100' wären also zu etwa 333' geworden (ohne Aufbewahrungskosten). Einen Bitcoin-Vergleich stelle ich jetzt mal nicht an, da wir ja von investieren und nicht von Glücksspiel reden. Obwohl man zugeben muss: den Vergleich würde das Depot aktuell haushoch verlieren :-)

Fazit:
Peter Lynch und John Rothchild hatten 1995 wieder ein gutes Buch abgeliefert. In Summe ist es das schwächste der drei, aber trotzdem sein Geld wert als Einstiegslektüre - auch heute noch. Es sind extrem viele interessante Informationen enthalten und einiges an Grundlagenwissen. Zudem erkennt man, dass die Informationsbeschaffung heutzutage wesentlich einfacher geworden ist durch das Internet. Sie haben als Datenquellen z.B. noch Faxabrufnummern im Anhang stehen. Egal, wie man nun investieren möchte (aktiv durch Stockpicking oder passiv durch breitgefächerte ETFs) - Hauptsache man investiert, regelmäßig und langfristig. Oder wie man bei Nike sagt - Just do it!

Dienstag, 3. Oktober 2017

Easy Fürstenfeldbruck WISA schreibt über Alex Düsseldorf Fischers 'Reicher als die Geissens'

Easy Fürstenfeldbruck WISA schreibt über Alex Düsseldorf Fischer

Ich erinnere mich, im letzten Jahr bereits einmal über Alex Düsseldorf Fischer und sein Buch 'Reicher als die Geissens' gelesen zu haben. Dieses wurde von einigen Blogger-Kollegen empfohlen. Was mich etwas gestört hatte, war die Tatsache, dass es kostenlos angeboten wurde und dafür 'nur' 6 € Versand kostete. Nichtsdestotrotz sagte ich mir 'Clever Bürschchen' und schaute dann immer mal wieder bei Ebay, ob es nicht günstiger zu haben war. Doch ähnlich wie Disney Blu Rays bot sich mir nicht wirklich die Chance für weniger Euronen Besitzer dieses Buches zu werden. Und so vergaß ich es erst einmal wieder.

Irgendwann hörte ich dann ein Interview von Herrn Fischer beim Finanzrocker aus dem Jahre 2015 und dachte mir: 'Gar nicht so unklug, was der etwas schmierig aussehende Kollege da so von sich gibt.' Und somit schlug ich vor ein paar Wochen dann doch zu, als es mir bei Facebook wiederholt 'kostenlos' angeboten wurde. Das Thema Immobilien ist und bleibt für mich interessant, auch wenn ich nicht investiert bin. Und Herr Fischer kennt sich ja scheinbar doch recht gut damit aus. Daher war mein Ziel, durch den Kauf des Buches vielleicht doch noch ein wenig mehr zu dem Fachgebiet Immobilien zu erfahren.

Das Buch kommt recht stylisch daher. Schwarzes Cover, den Titel in silbernen Buchstaben und das Gesicht von Herrn Fischer ist auch direkt auf dem Titel sichtbar. Es liegt gut in der Hand und wirkt mit seinen etwas mehr als 400 Seiten relativ umfangreich. Bereits beim Lesen der ersten Seiten fällt allerdings auf, dass es sich um leichte Kost handelt, welche wohl auch diejenigen als Zielgruppe hat, welche die titelgebenden Geissens kennen und bewundern. Also definitiv nicht mich. Die Geissens sind neben Bauern, Schwiegertöchtern, Dschungelcampern und Auswanderern einer der Gründe, warum bei uns kein Free TV mehr läuft. Im Verlaufe des Buches wird allerdings klar, dass Herr Fischer den Titel nur aus PR-Gründen gewählt hat, denn zu den Geissens selbst verliert er in Summe geschätzte 50 Wörter.

Das Buch besteht aus 3 Teilen und insgesamt 66 Kapiteln/Abschnitten. D.h. jedes Kapitel ist durchschnittlich 6-7 Seiten lang (also 2-3 S-Bahnstationen). Es wird versucht, auf zahllose Themen wie Mindset, Unternehmertum, Soft Skills, Finanzierung, Investments und Immobilien einzugehen. Das Lesen fällt leicht, ist aber teilweise auch nervig, wenn z.B. zum x-ten mal darauf hingewiesen wird, ja nichts zu überspringen oder zu überfliegen. Die meisten Themen werden nur an der Oberfläche angekratzt und viel zu oft wird auf seine Webseite oder seinen Youtube-Kanal verwiesen. Es will viel, liefert aber meiner Meinung nach relativ wenig. Manchmal versucht er cool zu wirken, was aber bei Ausdrücken wie 'der guten Seite der Macht' in die Hose geht. Jeder echte Star Wars-Fan weiß, dass es die helle und die dunkle Seite gibt, nicht aber die gute Seite...

Was mir jetzt 2 Wochen nach dem Lesen des Buches vor allem in Erinnerung geblieben ist, ist sein Versuch, möglichst viele Gegebenheiten auf das Paretoprinzip abzubilden. Wie so vieles aus der Statistik ist das ganz nett, hilft aber meiner Meinung nach im Alltag dann doch nur bedingt. Einige seiner Tipps sind durchaus hilfreich. Dass man z.B. öfter mal im Duden nach der genauen Bedeutung bestimmter Worte schauen sollte, ist absolut richtig. Eine Umfrage im Bekanntenkreis bezüglich eines seiner genannten Wörter hat z.B. ergeben, dass sie bei der Instandsetzung einer Fassade (das war das Wort) durchgängig alle 4 Seite des Hauses renoviert hätten, nicht nur die 'der Straße zugewandte Seite'. Aber genau solches Wissen ist es wieder, welches einen dann im Falle des Falles als Klugscheißer unbeliebt macht. Manchmal kann man dann zwar Recht haben, Freunde macht man sich damit aber nicht zwangsläufig.

Die Installation seines Geldmagneten erschließt sich mir auch nur bedingt. Er schlägt vor, 10 % des Einkommens auf ein Konto zu überweisen (siehe auch 'Der reichste Mann von Babylon'), welches man eingerichtet hat und zu dem man dann PIN und EC-Karte wegschmeißt. Das Geld soll man dann da drauf liegen lassen. Einfach so. Hätte er jetzt gesagt, dass man mit den 10 % ETFs kauft, wäre ich bei ihm gewesen. Aber 10 % einfach so unzugänglich rumliegen lassen? Wozu?

Als ich dachte 'Jetzt wird es interessant' - also bei seinem Spezialgebiet Immobilien - wird dann wieder größtenteils auf seine Webseite oder sonstige Quellen verwiesen. So ist z.B. das Kapitel 'Wert und Cashflow steigern' sage und schreibe 8 Zeilen lang. Hier wurde meiner Meinung nach viel Potential verschenkt, da ich aus seinem Interview mit Daniel Korth ja weiß, dass er interessante Dinge über Immobilien weiß.

Seinen Youtube-Kanal, den er immer wieder erwähnt, finde ich eher so semi-geil. Zahllose 3-4 Minuten Videos, auf denen er bei 200 km/h auf der Autobahn in leicht verdauliche Häppchen für seine Anhängerschaft versucht, Fragen zu beantworten. Vielleicht bin ich zu alt dafür, um das gut zu finden. Keine Ahnung. Es kann durchaus sein, dass es auch ein paar gehaltvolle Beiträge gibt, aber alles in allem habe ich ständig das Gefühl in einer Alex Fischer Verkaufsveranstaltung zu stecken, in der zwar alles kostenlos ist, aber dann irgendwie doch nicht, da ich ja viel Zeit investieren muss (oder alternativ 6 € Versandkosten). Herr Fischer ist für mich vor allem eins: Ein Marketing-Profi, der es gelernt hat, sich und sein Wissen gut in Szene zu setzen. Ich bin mir absolut sicher, dass ich mich mit ihm sehr gut unterhalten könnte aus folgendem Grund: er weiß viel, redet gerne und ich bin ein guter Zuhörer.

Alles in allem ist das Buch trotzdem ganz nett. Wobei meine Frau jetzt (in diesem Falle zu Unrecht) behaupten würde, nett sei die kleine Schwester von scheiße. Ich würde ihm 3 von 5 Sternen geben, da meine Erwartungen nicht erfüllt wurden und es zu all seinen angeschnittenen Themen diverse Bücher gibt, welche diese wesentlich besser behandeln:

  1. Möchtest du etwas über das Investieren lernen, so lies lieber 'One Up on Wall Street' von Peter Lynch oder 'Der Finanzcode' von Howard Marks.
  2. Möchtest du etwas über finanzielle Freiheit lernen, so lies lieber 'Der reichste Mann von Babylon' von George S. Clason.
  3. Möchtest du etwas über die Verbesserung deiner sozialer Verhaltensweisen lernen, so lies lieber 'Wie man Freunde gewinnt: Die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden' von Dale Carnegie oder 'The Game' von Neil Strauss.
  4. Möchtest du etwas über Unternehmertum lernen, so lies lieber 'Kopf schlägt Kapital' von Günter Faltin oder diverse Biografien erfolgreicher Unternehmer.
  5. Möchtest du etwas über Immobilien lernen, so lies lieber 'Geld verdienen mit Wohnimmobilien' von Alexander Goldwein.

Dienstag, 19. September 2017

Cisco Systems (CSCO): Das ehemals teuerste Unternehmen der Welt

Cisco Systems (CSCO): Das ehemals teuerste Unternehmen der Welt

Da ich aus der IT-Branche komme, ist mir das Unternehmen Cisco Systems natürlich schön länger bekannt und ich habe es auch schon seit einiger Zeit auf meiner TODO-Liste stehen. Jetzt bin ich endlich einmal dazu gekommen, mir das Unternehmen näher anzuschauen und was ich gesehen habe, hat mir ganz gut gefallen. Allerdings nicht gut genug, um zum aktuellen Preis zu investieren. Doch dazu später mehr.

Zum Unternehmen:
Cisco ist ein amerikanisches Technologieunternehmen, welches 1984 von ehemaligen Wissenschaftlern der Stanford Universität gegründet wurde. Es ist im Bereich der Netzwerktechnik angesiedelt und dort eigentlich auch Weltmarktführer. Ein Großteil des "Backends des Internets" läuft über Cisco-Hardware. Dies betrifft v.a. Vorrichtungen zur Datenweiterleitung zwischen unterschiedlichen Netzwerken und innerhalb von Netzwerken (Router und Switches). Mehr oder weniger so was wie Fritzboxen, nur in groß und kompliziert :-) Zusätzlich bieten sie diverse Sachen zu den Themen Cyber Security (Firewalls, VPN-Lösungen) und Zusammenarbeit (WebEx) an.

Hier einmal eine Auflistung der Umsatzverteilung auf die einzelnen Bereiche (aus dem letzten 10K):

Hauptumsatzbringer ist solche Hardware:

Sie haben rund 72900 Mitarbeiter. Der aktuelle CEO Charles H. Robbins (51) ist seit 2015 in Amt und Würden. Interessant fand ich, dass Cisco am Höhepunkt der DotCom-Blase im März 2000 das wertvollste Unternehmen der Welt war mit einer Marktkapitalisierung von damals rund 550 Mrd. USD. Der Umsatz lag zu der Zeit übrigens bei rund 19 Mrd. und der Nettogewinn bei 2.6 Mrd. Das waren schon verrückte Zeiten um die Jahrtausendwende. Seit 2009 sind sie Mitglied des Dow Jones Index.

Chartverlauf:

Rakete bis ins Jahr 2000. Absturz bis 2002. Seit einigen Jahren in einer leichten Aufwärtsbewegung. Angst bekommt man da nicht.

Geschäftszahlen:

Ich denke, dass 'Stagnation auf sehr hohem Niveau' genau der richtige Ausdruck ist. Die Umsätze verweilen seit ein paar Jahren in etwa auf dem gleichen Niveau. Die Gewinne gehen mal hoch, mal runter. Am Goodwill kann man erkennen, dass immer wieder Übernahmen getätigt werden. Es gibt hohe Cashbestände, aber auch ständig steigende Schulden (analog Apple). Durchgängig werden sehr hohe Margen geliefert. Die Dividende wird stetig erhöht und man erreicht aktuell eine Rendite von 3,5 % bei einer Ausschüttungsquote von knapp 60 %. Der FCF ist meist größer als der Gewinn. Die Anzahl an Aktien sinkt kontinuierlich. Hierzu gibt es ein authorisiertes Aktienrückkaufprogramm über 112 Mrd. $. Seit Einführung des Programms wurden beeindruckende 4.7 Mrd. Aktien gekauft zu Gesamtwert von rund 100 Mrd. $. Man kann also durchaus von einem kleinen Kannibalen sprechen.

Was gefällt mir an Cisco?

  1. Weltmarktführer im Netzwerkbereich. Technologien bei Kunden teilweise meiner Meinung nach schwer ersetzbar, da man auch Leute benötigt, welche sich mit neuen Geräten auskennen.
  2. Konstant hohe Margen.
  3. Nur noch 12 Mio. Optionen ausstehend zu Ausübungspreis von 6,15 $ + 141 RSUs mit Ausübungspreis von 26,94 $. Daher überschaubare Belastung/Verwässerung zu erwarten.
  4. Gute Geschäfte auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten.
  5. Aktionärsorientiert: stetig steigende Dividende kombiniert mit kontinuierlichen Aktienrückkäufen.
  6. Arbeiten steueroptimiert. Wären durch hohe Cashbestände im Ausland Unternehmen, welches von Tax Holiday profitieren würde.
  7. Sehr gute Cashflows über all die Jahre. Immer einige Milliarden höher, als die ausgewiesenen Nettogewinne. KFCF von 12 immer noch als moderat anzusehen. Würden sie das komplett als Dividende ausschütten, hätte man eine Rendite von über 8 %.

Was gefällt mir nicht an Cisco?

  1. Umsätze stagnieren. Wachstum eigentlich nur über teure Unternehmenszukäufe.
  2. Historisch gesehen alles andere als preiswert - Zeit um Jahrtausendwende mal ausgenommen. Ein KGV von rund 17 für ein quasi Nullwachstum-Unternehmen ist jetzt alles andere, als ein No Brainer.
  3. Insider haben in letzter Zeit nur verkauft. Selbst CEO hat kürzlich knapp 1/4 seine Aktien zu rund 32 $ veräußert.
  4. Teilweise negative Presse (Vorwurf, dass in vielen Produkten Backdoors zu Spionagezwecken vorhanden sind).

Bewertung:
Die aktuell aufgerufene Bewertung (u.a. KGV 17, KFCF 13) ist historisch gesehen eher überdurchschnittlich, als unterdurchschnittlich. Bei Wachstumsprognosen tue ich mich hier schwer, da Cisco einfach in zu vielen Bereichen unterwegs ist. Das Problem ist, dass die Hauptumsatzbringer eher mit Kostendruck versehen sind und daher nach Alternativen Ausschau gehalten werden muss bzw. die bereits vorhandenen unternehmensinternen Alternativen weiter zu fördern wären. Gehe ich von einem Wachstum niedrigen einstelligen Prozentbereich aus, muss ich einfach sagen, dass Cisco in der Vergangenheit preiswerter zu haben war und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zukünftig mal wieder preiswerter zu haben sein wird. Die aktuelle Bewertung ist für mich fair. Die verlockende Dividende fängt für mich die Wahrscheinlichkeit eines Kursrückgangs aufgrund weiter stagnierender Umsätze und Gewinne nicht auf.

Konkurrenz:
Da Cisco über all die Jahre durchgängig gute bis sehr gute Zahlen geliefert hat, macht es vielleicht Sinn, sich auch einmal die Bewertungen der Konkurrenzunternehmen anzusehen. Hierfür habe ich einfach mal diejenigen rausgepickt, die auch im 10-K genannt wurden. Amazon und Microsoft habe ich weggelassen, dafür aber mal den schwedischen Telekommunikationstechnikhersteller Ericsson mit reingenommen, dem ja doch ab und an ein Interesse Ciscos nachgesagt wird.

Cisco ist das mit Abstand größte Unternehmen der Branche. Es gibt viele 'kleine' Unternehmen, welche in den vergangenen Jahren ihre Umsätze gut entwickeln konnten. Ich würde hier einfach mal stellvertretend Arista Networks, Nutanix, New Relic oder Palo Alto Networks nennen. Es gibt da allerdings 2 Probleme: Einerseits machen sie - mit Ausnahme von Arista - immer noch Verluste und andererseits sind die Umsätze im Vergleich zu Cisco Peanuts. Die aufgerufenen Bewertungen sind teilweise schon so, wie zu den besten DotCom-Zeiten. Hier halte ich aus Prinzip Abstand. Ubiquiti Networks, deren Aktien ich in der Vergangenheit mal besaß, hat ein cooles Geschäftsmodell, einen charismatischen CEO (Robert Pera - Basketballfanatiker), aber zweifelhafte Finanzen. Die IT-Sicherheitsunternehmen (Check Point Software und Symantec Corp) reißen mich nicht vom Hocker. Nokia und Ericsson schwanken mir zu sehr. Mit HPE konnte ich mich im Gegensatz zu MMI von Value and Opportunity (siehe sein HPE-Artikel) noch nicht so richtig anfreunden. Lediglich F5 Networks (die hatte ich in der Vergangenheit auch mal und leider zu früh verkauft) und Juniper Networks finde ich von den Zahlen her interessant. Die werde ich dann irgendwann auch noch mal anschauen.

Fazit:
Ist Cisco ein tolles Unternehmen? Ja. Eindeutig. Werde ich Cisco kaufen? Mit der aktuell aufgerufenen Bewertung nicht, da ich denke, in Zukunft noch einmal bessere Einstiegsmöglichkeiten zu bekommen. Zusätzlich erscheinen mir F5 und Juniper Networks aktuell auf den ersten Blick etwas interessanter zu sein. Ohne mir diese beiden allerdings genauer angesehen zu haben, werden ich auch in der Richtigung nichts unternehmen.

Wie immer gilt: dies ist keine Empfehlung, sondern nur eine Beschreibung meines Verständnisses der Situation des Unternehmens inkl. eines Versuchs einer Bewertung. Ich habe im Moment keine Aktien des Unternehmens und bei meiner Analyse können durchaus Fehler passiert sein oder aber ich könnte wichtige Details übersehen oder fehlinterpretiert haben. Daher: immer selbst informieren, bevor du eine Entscheidung triffst.

Freitag, 8. September 2017

Zeitlose Ratschläge für die finanzielle Freiheit: "Der reichste Mann von Babylon"

Zeitlose Ratschläge für die finanzielle Freiheit: "Der reichste Mann von Babylon"

Im vergangenen Jahr hatte ich bereits das Buch 'Rich Dad, Poor Dad' gelesen und vorgestellt und dieses als Pflichtliteratur bezeichnet. Heute möchte ich einige Worte zu einem weiteren Pflichtliteratur-Buch verlieren, welches vor allem für Einsteiger in die Materie 'Finanzielle Freiheit' sehr gut geeignet ist: 'Der reichste Mann von Babylon' von George S. Clason. Es hat in der mir vorliegenden deutschen Ausgabe lediglich 206 Seiten und lässt sich sehr flüssig lesen. Das Buch selbst erschien erstmals im Jahre 1926 und allein durch den Fakt, dass es auch heute noch zahlreich empfohlen wird (4.5 Sterne bei mehr als 200 Rezensionen auf Amazon), kann man seinen zeitlosen Charakter erkennen.

In insgesamt 11 Kapiteln werden teilweise miteinander verwobene Geschichten von Bewohnern der antiken Stadt Babylon erzählt. Sinn und Zweck ist es, dem Leser anhand dieser Geschichten diverse Ratschläge mitzugeben, die sich mühelos auch auf die heutige Zeit übertragen lassen. Diese betreffen einerseits die Einstellung zu Geld und Konsum und andererseits die Einstellung zu Arbeit und dem Faktor Glück.

Doch zunächst einmal ein paar Worte zum titelgebenden Ort: Babylon war eine Stadt, welche vor etwa 4000 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Irak existierte. Sie war bekannt für ihren Reichtum, aber auch für die zahllosen architektonischen Meisterleistungen wie die zu den 7 antiken Weltwundern zählenden 'Hängenden Gärten der Semiramis'. Alexander der Große war im Laufe der Zeit einer der Eroberer der Stadt und starb 323 v.Chr. auch dort. Heute existieren nur mehr Ruinen, die den ehemaligen Glanz nur noch erahnen lassen.

Nun zurück zum Buch: Einer der Hauptprotagonisten des Werkes ist Arkhad, der reichste Mann der Stadt. In den ersten Kapiteln wird aufgezeigt, wie er es zum Reichtum geschafft hat und zusätzlich gibt er seine Weisheiten an andere weiter. Kurz zusammengefasst wären diese:

  1. Fang an, eure Geldbörse zu füllen (Pay Yourself First: 10 % der Einnahmen - egal wie hoch diese sind - beiseite legen).
  2. Kontrolliert eure Ausgaben (10 % gehen immer, wenn man immer mal auf bestimmte Dinge wie Ausgehen, Rauchen, Trinken oder teure Kleidung verzichtet; Ausgaben nicht zwangsläufig dem steigenden Einkommen anpassen).
  3. Sorgt dafür, dass euer Geld sich mehrt (= sinnvolle Investitionen).
  4. Bewahrt eure Schätze vor Verlust (=Risikomanagement; vorher über Investments nachdenken).
  5. Macht euer Heim zu einer erträglichen Investition (=Kaufen statt Mieten - gilt in Deutschland aktuell nur bedingt).
  6. Sichert euch ein Einkommen für die Zukunft (= Vorsorge fürs Alter durch Aufbau von passivem Einkommen).
  7. Verbessert eure Verdienstmöglichkeiten (=Fortbildungen, um im regulären Job besser zu verdienen).

Die genannten Punkte werden auch in den folgenden Kapiteln immer wieder aufgegriffen. Das mit den 10 % findet eigentlich immer Erwähnung und deckt sich auch mit meinen eigenen Erfahrungen. Viele Leute, die ich kenne, geben Geld für sinnloses Zeug aus (wie z.B. Zigaretten, teure Autos oder das immer neueste Smartphone), jammern aber gleichzeitig, dass das Geld meist vor Ende des Monats ausgeht. Alternativ wird gejammert, dass man zu wenig verdient.

Hier kann man nur sagen:

  1. Schaut mal nach, wofür ihr Geld ausgebt und seid ehrlich zu euch, ob das wirklich notwendig ist.
  2. Tilgt eure Schulden und vermeidet sie gänzlich. Auto/Fernseher/Smartphone auf Pump kaufen, weil keine Zinsen zu zahlen sind, bringt auf Dauer nur Ärger. Und seid beim kreditfinanzierten Haus bitte auch ehrlich zu euch.
  3. Statt Abends Netflix zu schauen, lest bei Bedarf einfach mal ein Buch. Und damit meine ich keine Krimis, Elternratgeber oder Fantasyromane, sondern Bücher, aus denen man was lernen kann. Das erweitert den Horizont und wenn man die richtigen Bücher liest, bekommt man evtl. auch Ideen, was man mit seinem gesparten Geld sinnvollerweise anstellen kann. Alternativ erwirbt man dadurch Fähigkeiten, die einem im eigenen Beruf (oder einem neuen Beruf) weiterbringen.
  4. Nutzt eure Herkunft nicht als Ausrede. Auch ich komme aus einer Arbeiterfamilie und habe mir vieles selbst hart erarbeiten müssen. Meine Eltern sind geschieden und ich bin bei meinem Vater aufgewachsen. Viel Geld war nicht da, da mein Vater allein für meine Schwester und mich sorgen musste (Mutter hat keinen Unterhalt gezahlt). Meinen ersten richtigen Urlaub hatte ich mit 19 (Zeltplatztour durch England). Für Kino war nie viel Geld da. Und trotzdem habe ich es geschafft, immer mit relativ wenig auszukommen und dabei trotzdem eine glückliche Kindheit und Jugend zu haben. Vor allem als Student habe ich gelernt, mit wie wenig man auskommt und trotzdem Spaß haben kann.
  5. Viele Sachen gibt es umsonst oder für wenig Geld (z.B. Zugang zu Bibliotheken).
  6. Übertreibt es nicht mit dem Geiz.
  7. Nutzt nicht erfüllte Wünsche doch einfach als Motivation für die Zukunft. Ich habe mir z.B. mit 16 vorgenommen, irgendwann einmal auf jedem Kontinent gewesen zu sein. Jetzt mit 37 habe ich nur noch den Antarktischen Kontinent abzuhaken. Doch auch wenn ich es mir eigentlich jetzt schon leisten könnte, schiebe ich es als kleine Motivation immer noch vor mir her. Die Midlifecrisis kommt bestimmt :-)

Fazit:
Wer es noch nicht getan hat: kaufen, lesen und gelesene Sachen anwenden. Wer es schon getan hat: nochmal lesen und nachjustieren.

Mittwoch, 6. September 2017

Finanzblog-Award 2017 - EasyWISA ist einer der Nominierten

Finanzblog-Award 2017 - EasyWISA ist einer der Nominierten

Liebe Leser,

heute nur ein kurzer Beitrag: Ich bin für den Publikumspreis des Finanzblog-Award 2017 der comdirect nominiert. Bis zum 04.10.2017 können Stimmen für euren Lieblings-Finanzblog abgegeben werden. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr dabei für mich stimmt. Einfach dem Link folgen, EasyWISA suchen, auswählen und dann abschicken.

Vielen Dank

Sonntag, 27. August 2017

Rekapitulation bisheriger Unternehmensanalysen (u.a. Apple, Disney, Google, Tesla, Netflix)

Rekapitulation bisheriger Unternehmensanalysen (u.a. Apple, Disney, Google, Tesla, Netflix)

Schon längere Zeit hatte ich mir vorgenommen, mal wieder einen Blick auf die bisher von mir analysierten Unternehmen zu werfen und zu schauen, wie sie sich entwickelt haben. Den Blog führe ich seit etwas über einem Jahr und die Börsen haben sich in dieser Zeit recht gut entwickelt. In Deutschland hat sich der DAX seit Mitte letzen Jahres von knapp 10.500 auf aktuell knapp 12.000 erhöht (inkl. neuem Allzeithoch bei über 12.800 im Juni 2017). Und auch in Amerika haben sich sowohl der Dow Jones als auch der S&P500 mit jeweils über 10 % Zuwachs wacker geschlagen.

Ich kann bereits jetzt sagen, dass sich einige Unternehmen sehr gut entwickelt haben (vor allem kurstechnisch). Andere dagegen haben richtig abgekackt. Wieder andere haben sich kaum bewegt. Aus allen 3 Lagern gibt es Unternehmen, die ich im Portfolio hatte oder habe. Insgesamt gesehen muss ich allerdings zugeben, dass es aktuell mit meiner fundamentaldatenbasierten Herangehensweise schwierig ist, die Marktperformance zu erreichen, geschweige denn den Markt wirklich zu schlagen. Zusätzlich habe ich gelernt, dass es manchmal schlimmer kommen kann, als man denkt (siehe HIBB).

Doch nun genug zu den warmen Worten. Kommen wir nun einmal zu den entsprechenden Unternehmen.

Accenture (ACN)

initiale Analyse vom 03.08.2016 - Kurs damals ca. 112 $ - Kurs aktuell ca. 129 $ (+ 14 %)
Aus dem IT-Beratungsbereich hatte ich mir 3 Unternehmen angeschaut: Accenture, Infosys und Syntel. Accenture hat sich von diesen dreien am besten entwickelt - sowohl operativ, als auch kurstechnisch. Die Umsätze wachsen weiterhin im kleinen einstelligen Prozentbereich. Die Rendite sind immer noch sehr hoch (EK-Rendite von 47 %, GK-Rendite von 17 %). Die Free Cashflow-Marge ist mit 12.5 % auf Rekordniveau. Mit einem KGV von über 22 ist Accenture aktuell aber meiner Meinung nach kein Kauf. Wie auch Infosys und Syntel haben sie evtl. mit den verschärften Arbeitserlaubnisbedingungen in den USA zu kämpfen.

Alphabet/Google (GOOG)

initiale Analyse vom 06.12.2016 - Kurs damals ca. 760 $ - Kurs aktuell ca. 930 $ (+ 21 %)
Das Wachstum bei Google geht weiter. Mittlerweile habe ich mir auch ein paar Aktien ins Depot gelegt und wenn ich jetzt eine Aktie für meine Kinder kaufen müsste, wäre es wohl die von Google, da ich bei diesem Unternehmen einfach davon ausgehe, dass es seine Vorherrschaft behält und stellenweise noch weiter ausbaut. Zuletzt hat die EU mit ihrer Strafe gegen Google dafür gesorgt, dass die Quartalszahlen schlechter als erwartet ausfielen. Alles in allem ist das Unternehmen aber immer noch eine Cashcow vor dem Herren. Von 1 $ Umsatz bleiben knapp 25 cent an Free Cashflow übrig. Und ihr Cashberg liegt mittlerweile bei 94 Mrd. $ bei einer Gesamtverschuldung von 30 Mrd. Der KGV von 34 ist sehr hoch, aber ich denke ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass er - den aktuellen Kurs für die Berechnung nehmend - in 10 Jahren signifikant niedriger sein wird.

Apple (AAPL)

initiale Analyse vom 19.07.2016 - Kurs damals ca. 100 $ - Kurs aktuell ca. 160 $ (+ 60 %)
Ich bin zwischenzeitlich (leider zu früh) mit gutem Gewinn raus aus dem Unternehmen. Ich kann schlecht abschätzen, wie es mit ihnen weitergeht und die Kennzahlen sind aktuell bei weitem nicht mehr so gut, wie noch vor einem Jahr. Der Einstieg ins Automobilgeschäft ist bisher (zum Glück) ausgeblieben und im Smartphonebereich steht die Jubiläumsedition des iPhone auf dem Plan. Auf meinem aktuellen Projekt habe ich ein Macbook bekommen und muss zugeben, dass man sich an alles gewöhnt. Allerdings würde ich immer noch mein Windows-Notebook nehmen, wenn man mich vor die Wahl stellen würde. Einfach aus Kosten-Nutzen und Frustrationsgründen. Es nervt als Softwareentwickler total, die ganzen wichtigen Tasten (eckige Klammern, geschweifte Klammern, Backslash) suchen zu müssen. Außerdem fehlt mir Paint zur schnellen Bearbeitung von Screenshots :-)

Bed, Bath & Beyond (BBBY)

initiale Analyse vom 15.06.2017 - Kurs damals ca. 36 $ - Kurs aktuell ca. 28 $ (- 23 %)
Autsch - Teil 1. Verlockende Kennzahlen in Verbindung mit leicht verständlichem Geschäftsmodell machen in Zeiten von 'Amazon macht sie alle platt' noch lange kein gutes Investment. Bisher war es eher ein Paradebeispiel für 'Never catch a falling knife'. Die Renditen und Margen sinken aktuell weiterhin. Sie sind noch nicht so schlecht, wie bei Amazon, aber es fehlt bald nicht mehr viel :-) Nachdem Amazon ja jetzt auch andere Geschäfte mit Filialnetz übernimmt könnte ich Jeff Bezos, dem kurzzeitig reichsten Mann der Welt, einen recht preiswerten Einzelhändler empfehlen: BBBY.

Credit Acceptance Corp (CACC)

initiale Analyse vom 30.07.2016 - Kurs damals ca. 186 $ - Kurs aktuell ca. 267 $ (+ 43 %)
Die Geschäfte beim Subprime-Finanzierer (Kreditgeber für Kauf von oft recht alten Fahrzeugen durch Leute mit schlechter Bonität) laufen weiterhin gut. Die Netto-Kreditsumme (Loans receivable, net im 10-Q) betrug zuletzt 4,3 Mrd. Dollar. Der Umsatz konnte gesteigert werden (auf TTM-Basis jetzt über 1 Mrd. $). Der Nettogewinn konnte gesteigert werden (366 Mio. auf TTM-Basis) bei insgesamt weiterhin sehr hohen Renditen (operative Marge 55 %, Nettomarge 35 %, Eigenkapitalrendite 32 %). Die Anzahl an ausstehenden Aktien beträgt aktuell nur noch 19,3 Mio. D.h. es werden weiterhin immer weniger. Dafür hat der Kurs im Vergleich zum letzten Jahr auch um mehr als 40 % angezogen und das KGV beträgt aktuell rund 15. Es ist immer noch ein gutes Unternehmen, was ich auch weiterhin beobachten werden. Bei Seeking Alpha habe ich übrigens diesen recht lesenswerten Artikel zu CACC gefunden, in dem auch noch mal ganz gut erläutert wird, was die so machen. Wenn ich mir die Kommentare des Nutzers 'Credit4You.biz' anschaue, bin ich mir allerdings nicht so sicher, ob ein Einstieg bei CACC aktuell eine gute Idee ist. Die Geschäftszahlen sagen ja, seine Bewertung des angepassten Geschäftsmodells (immer mehr langfristige Finanzierung) sagen eher nein. Kernaussage des Kommentators: Long term financing on a depreciating asset is not good.

Cimpress N.V. (CMPR)

initiale Analyse vom 17.11.2016 - Kurs damals ca. 85 $ - Kurs aktuell ca. 90 $ (+ 6 %)
Zuletzt gab es weiterhin Verluste beim bekannten Werbemittel-Unternehmen (u.a. Vistaprint) auch wenn die zugehörigen Cashflows positiv sind. Wir persönlich haben immer wieder neue Flyer und Visitenkarten bei ihnen erstellen lassen, da sie in unseren Fällen einfach der günstigste Anbieter waren. Da die Geschäftszahlen seit der Analyse schlechter geworden sind und ich schon damals abgewunken habe, bleibe ich auch jetzt erstmal dabei, die Aktie von Cimpress zu meiden.

Diamond Hill Investment Group (DHIL)

initiale Analyse vom 28.06.2016 - Kurs damals ca. 180 $ - Kurs aktuell ca. 189 $ (+ 5 %)
Anzahl ausstehende Aktien: 3.45 Mio., Umsatz im ersten Halbjahr 2017: 70.5 Mio., Gewinn/Aktie im ersten Halbjahr 2017: 7.38 $, Assets under Management: 20.9 Mrd. $ Ende Juni 2017. Ich würde sagen, die Entwicklung schaut für eine Fondsgesellschaft mit aktiver Vermögensverwaltung nicht übel aus. Sie sind von der Bewertung her gesehen günstiger geworden, aber das Rückschlagrisiko für diese Art von Unternehmen bleibt. DHIL bleibt auf meiner Watchlist, da die von mir genannte Einkaufsbewertung (ab KGV 12) noch nicht da ist.

Dürkopp Adler AG

initiale Analyse vom 14.01.2017 - Kurs damals ca. 34,50 € - Kurs aktuell ca. 39,60 $ (+14 %)
Der Nähmaschinenhersteller hat seinen Umsatz in 2016 leicht steigern können auf 148 Mio. € (siehe Geschäftsbericht 2016). Unterm Strich ist mit 21,7 Mio. aufgrund höherer Steuern allerdings weniger als 2015 übrig geblieben. Da sie knapp 50 % der Umsätze außerhalb von Europa machen und der Euro-Dollarkurs in diesem Jahr für sie eher in die falsche Richtung geht (Dollarumsätze sind dieses Jahr knapp 10 % weniger Euro wert), gehe ich für dieses Jahr auch von einem eher soliden Ergebnis aus. Die Halbjahreszahlen 2017 wurden am 18.08. veröffentlicht. Die Umsätze sind im H1 knapp 6 % gestiegen (von 74,9 Mio auf 79,5 Mio). Unterm Strich ist etwas weniger übrig geblieben (von 12,3 Mio. auf 12,06 Mio). Der FCF war durch einen starken Anstieg an Forderungen wie im H1 des Vorjahres negativ (von -1,6 Mio. auf -12,6 Mio.).

EASY Software AG

initiale Analyse vom 28.10.2016 - Kurs damals ca. 4,80 € - Kurs aktuell ca. 7,25 € (+ 51 %)
Operativ gibt es bei dem Dokumentenmanagementspezialisten nicht viel neues. Nur, dass sich der Rechtsstreit mit dem ehemaligen Vorstand hinzieht und dass für das aktuelle Jahr ein EBITDA von 3.1-3.8 Mio. angedacht ist. Der Kursanstieg in den letzten Wochen kommt eher aus Richtung von Übernahmespekulationen (Allgeier?) und neu eingestiegenem > 5%-Aktionär. Ich war bisher nicht dabei und werde es zu den aktuellen Kursen auch nicht sein.

Female Health Company (FHCO) / jetzt Veru Healthcare (VERU)

initiale Analyse vom 05.10.2016 - Kurs damals ca. 1,16 $ - Kurs aktuell ca. 1,42 $ (+ 22 %)
Das Kondom für die Frau ist immer noch kein weltweiter Verkaufsschlager geworden. Dafür ist aber der Zusammenschluss mit dem anderen Unternehmen durchgegangen und es hat eine Umfirmierung in 'Veruf Healthcare' stattgefunden. Wer beim zwischenzeitlichen Absturz auf 0,82 $ eingestiegen ist, konnte bis heute einiges gut machen. Ich lasse von denen die Finger, da ich nicht so auf Risiko stehe. Kann aber evtl. auch gutgehen. Wer sich dafür interessiert, dem empfehle ich folgenden Seeking-Alpha-Artikel zu Veru Healthcare.

Gentherm Inc (THRM)

initiale Analyse vom 25.11.2016 - Kurs damals ca. 31,45 $ - Kurs aktuell ca. 30,20 $ (-4 % %)
Der Umsatz konnte in den letzten 12 Monaten gesteigert werden. Unterm Strich ist aber weniger übrig geblieben. Der freie Cashflow ist gerade so positiv. Von daher kommt der aktuelle Kursabsturz von knapp 40 $ auf knapp 30 $ für mich nicht so überraschend. Da ich nicht investiert war, ist es mir wurscht. Es bleibt ein überdurchschnittlich interessantes Unternehmen in einer schwierigen Branche (Automobilzulieferer).

Gilead Sciences (GILD)

initiale Analyse vom 08.11.2016 - Kurs damals ca. 74 $ - Kurs aktuell ca. 74 $ (+/-0 %)
Der HIV- und HCV-Medikamentenhersteller war bis auf knapp 64 $ abgestürzt. Aber manchmal hilft es anscheinend doch, wenn die Ergebnisse nicht ganz so scheiße ausfallen, wie erwartet. Auf Basis der Kennzahlen immer noch spottbillig (einstelliges KGV + KFCF). Die Risiken bleiben aber (Was ist, wenn HCV-Medikamentenpreise immer billiger werden? Was ist, wenn HIV-Heilung möglich wird?). Als Depotbeimischung meiner Meinung nach immer noch ganz gut geeignet. Findet übrigens auch WertArt vom lesenswerten WertArt-Investmentblog.

Halloren Schokoladenfabrik AG

initiale Analyse vom 19.02.2017 - Kurs damals ca. 6,50 $ - Kurs aktuell ca. 6,90 $ (+ 6 %)
Also mit den Williams-Christ-Halloren haben die ja echt meinen Geschmack getroffen. Die Eierlikör-Halloren sind auch nicht schlecht. Durchaus empfehlenswert. Bei unserer monatlichen Pokerrunde stelle ich eigentlich auch immer 1-2 Schachteln Hallorenkugeln hin. Mein Beitrag zu 'Aufbau Ost' sozusagen. Was die AG angeht gibt es nur 2 News: zunächst einmal wurden immer noch keine Geschäftszahlen 2016 veröffentlicht, was bei nicht mehr gelisteten Aktiengesellschaften (nur noch in Hamburg handelbar) keine Überraschung ist. Und zweitens haben die Charlies jetzt die Kontrolle über knapp 75 % der Anteile. Zumindest hier bleibt es spannend.

Hibbett Sports (HIBB)

initiale Analyse vom 11.08.2016 - Kurs damals ca. 35 $ - Kurs aktuell ca. 12 $ (-65 %)
Bisher mein Rohrkrepierer schlechthin. Hat zuletzt nach einer Gewinnwarnung knapp 30 % verloren, nachdem sie einen 10-prozentigen Einbruch bei den Comparable Store Sales im letzten Quartal inkl. eines Verlustes verkündet haben. Das entsprechende 10-Q ist noch nicht verfügbar, so dass ich schwer einschätzen kann, wie es Cashflowseitig aussieht. Sind aber mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,3-0,4 immer noch relativ preiswert und waren auch zuletzt noch mehr oder weniger schuldenfrei. Werden jetzt unter Buchwert gehandelt. Für 2018 haben sie ihre Guidance angepasst. Statt 2,35$-2,55$ Gewinn pro Aktie wird nun eher von 1,25$-1,35$ ausgegangen. Sie wollen ihre Onlineaktivitäten ausbauen, was Geld kostet (siehe auch BBBY). Ist allerdings lebensnotwendig, wenn man gegen Amazon bestehen möchte. Ein weiterer Stich in den Rücken ist die Direct-To-Consumer-Offensive der Sportartikelgrößen Adidas und Nike. Diese haben auch schon bei FootLocker zu einem starken Kursverfall geführt und das war wahrscheinlich erst der Anfang. Insgesamt muss ich mir eingestehen, dass ich die Risiken wohl falsch eingeschätzt habe. Ist auf jeden Fall ein Kandidat für die Mit-Verlust-Verkaufen-Aber-Was-Dabei-Gelernt-Strategie. Schauen wir mal...

Infosys (INFY)

initiale Analyse vom 26.07.2016 - Kurs damals ca. 16,50 $ - Kurs aktuell ca. 15,30 $ (-8 %)
Das Unternehmen selbst ist weiterhin gut, aber immer noch nicht in Kaufregionen. Allerdings wurden sie durch die Wahl von Trump getroffen, da dieser durch sein protektoristisches Verhalten die Geschäfte von IT-Outsourcingunternehmen mit vielen Mitarbeitern außerhalb der USA negativ beeinflusst (siehe Link bei den warmen Worten zu Accenture). An den Geschäftszahlen selbst lässt es sich aktuell noch nicht wirklich ablesen. Sind aber wohl gerade dabei, massiv Stellen abzubauen. Es bleibt spannend.

K+S (Kali & Salz AG)

initiale Analyse vom 11.11.2016 - Kurs damals ca. 20 € - Kurs aktuell ca. 20,35 $ (+ 7 %)
Der neue CEO ist im Amt. Das Werk in Kanada läuft und hat auch schon die erste Tonne produziert. Laut IR-Präsentation soll die Produktion bis 2034 auf 4 Mio. t/Jahr erhöht werden. In 2018 wird die Rückzahlung der ersten großen Anleihe fällig (500 Mio €). In 2019 folgt die zweite Anleihe (325 Mio. €). Bin gespannt, wie sie das im Endeffekt machen (1 Mrd. Dollar-Kreditlinie bis 2020 anzapfen?) und wie sich die Cashflows in den nächsten Monaten entwickeln. Die €/USD-Entwicklung ist ja aktuell nicht wirklich vorteilhaft für K+S. Die Halbjahreszahlen wurden vor ein paar Tagen veröffentlicht und vor allem die Einräumung, das '1.6 Mrd EBITDA in 2020'-Mittelfristziel wohl nicht erreichen zu können, kam am Markt recht schlecht an. Für das aktuelle Jahr wird ein Umsatzanstieg erwartet und eine Verbesserung des Gesamtergebnisses. Damit einher geht dann wohl eine Erhöhung der Dividende, da K+S ein Unternehmen ist, welches sich immer recht strikt an die Ausschüttungsquote von rund 40 % des Nettogewinns hält.

ManpowerGroup (MAN)

initiale Analyse vom 06.09.2016 - Kurs damals ca. 71 $ - Kurs aktuell ca. 109 $ (+ 53 %)
Der Umsatz des Zeitarbeitsspezialisten konnte im GJ 2017 leicht gesteigert werden. Auch im H1 haben sich der Umsatz und Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht erhöht. Der FCF ist allerdings zurückgegangen (von 230 Mio. $ auf ca. 120 Mio. $). Die Aktienanzahl liegt mittlerweile bei 66,7 Mio. An den restlichen Parametern hat sich nicht so viel geändert. Der Kursanstieg ist v.a. mit einer KGV-Expansion zu erklären. Dieser lag nämlich zum Zeitpunkt meiner Analyse bei ca. 13 und aktuell bei rund 18. Beides nicht sonderlich günstig. Ich bleibe hier weiterhin nur an der Seitenlinie.

Myriad Genetics (MYGN)

initiale Analyse vom 24.01.2017 - Kurs damals ca. 15,50 $ - Kurs aktuell ca. 29,30 $ (+ 89 %)
Der Kurs des Krebsfrüherkennungsspezialisten kennen seit dem Frühjahr nur eine Richtung: nach oben. Das Kursplus nützt mir allerdings nichts, da ich nicht eingestiegen bin. Die vergangenen 3 Quartale haben im Vergleich zum schwachen Q1 noch mal einiges rausgerissen. Der Umsatz hat sich im GJ 2017 leicht erhöht (von 753 Mio. auf 773 Mio.), das Nettoeinkommen ist allerdings stark gesunken (von 125 Mio. auf 22 Mio.). Der FCF war stark, wenn man die Kosten für den Erwerb von Assurex einmal herausnimmt (einmalige Kosten), aber insgesamt auch rückläufig. Da ich allerdings mein Prognose nicht zwangsläufig anpassen würde, sehe ich bei Myriad aktuell eher eine Über- statt einer Unterbewertung und steige daher auch jetzt nicht ein.

Netflix (NFLX)

initiale Analyse vom 25.09.2016 - Kurs damals ca. 95 $ - Kurs aktuell ca. 166 $ (+ 74 %)
Der Umsatz der vergangenen 12 Monate liegt laut den zuletzt gemeldeten Zahlen erstmals bei über 10 Mrd. $. Sowohl operativ, als auch unterm Strich ist mehr hängen geblieben. Die Cashflows sind weiterhin stark negativ und die Verschuldung ist weiter nach oben gegangen (long term debt mittlerweile 4,8 Mrd). Die Anzahl der Nutzer lag zuletzt bei knapp 104 Mio. weltweit und jeder Nutzer hat monatlich rund 9,21 $ Umsatz gebracht. Insgesamt gesehen würde ich bei meiner Bewertungsrechnung vom letzten Jahr lediglich den Umsatz/ Nutzer leicht erhöhen, da ich dort lediglich 120 $/Jahr im Idealfall angesetzt hatte. Trotzdem wäre ich dann noch weit vom aktuellen Kurs entfernt, so dass ich auch weiterhin nicht bei Netflix einsteige (dreistelliges KGV bei hohem negativen FCF). Das Netflix-Angebot selbst ist weiterhin super (ein paar Freunde haben einen Netflix-Zugang), aber mit meinem zahlenbesierten Investmentstil ist ein Kauf dieser Aktie aktuell nicht vereinbar. Ich würde als Netflix-Manager evtl. darüber nachdenken, über eine Kapitalerhöhung Geld einzusammeln, statt relativ teure Anleihen (3,75 % bis 5,75 % Zinsen) auszugeben. Da sie laut eigenen Aussagen auch in den kommenden Jahren negative Cashflows produzieren werden, wäre das auf jeden Fall ein alternatives Mittel der Wahl.

Nicholas Financial Inc (NICK)

initiale Analyse vom 30.07.2016 - Kurs damals ca. 10,62 $ - Kurs aktuell ca. 8,83 $ (- 17 %)
Beim Autokauffinanzierer, den ich mir zusammen mit CACC angeschaut hatte, laufen die Geschäfte aktuell gar nicht. Der Umsatz ist zurückgegangen und die Gewinne und die sich daraus ergebenden Margen sind eingebrochen. Sie sind zwar in einem riesigen Markt unterwegs, der aber auch extrem umkämpft ist. Sie werden aktuell zu 60 % des Buchwertes gehandelt, was ich für ein Unternehmen in dem Bereich als günstig ansehen würde. Es gibt hier allerdings einen weiterhin ungesunden Mix aus Für und Wider (siehe auch Short-Artikel zu NICK bei Seeking Alpha), so dass ich hier weiterhin aufgrund von 'Too hard for me' die Finger von lasse.

Novo Nordisk

initiale Analyse vom 08.08.2016 - Kurs damals ca. 318 DKK - Kurs aktuell ca. 290 $ (- 9 %)
Leichte Zuwächse bei Umsatz und EBIT meldete der dänischen Insulinhersteller. Die Aktienrückkäufe werden weiter stoisch durchgeführt (2,48 Mrd. Aktien ausstehend). Das Unternehmen produziert weiterhin recht viel Cash (29-33 Mrd. DKK wird erwartet). Vom starken Wachstum der vergangenen Jahre haben sie sich aber weiter entfernt. Und wenn ich die Einschätzungen zu den aktuellen Preisverhandlungen mit den US-Abnehmern richtig interpretiere, gehen sie eher von leichten Preissenkungen im kommenden Jahr aus. Bilanzseitig stehen sie immer noch recht sauber da. Sie haben Cash von 21 Mrd. DKK und Finanzschulden von nur rund 1,7 Mrd. DKK. Novo bleibt ein interessantes Unternehmen, welches aktuell meiner Einschätzung nach weder über- noch unterbewertet ist.

Pandora A/S

initiale Analyse vom 11.10.2016 - Kurs damals ca. 790 DKK - Kurs aktuell ca. 650 DKK (- 18 %)
Der Schmuckhersteller hat sich operativ gut entwickelt. Für das aktuelle Geschäftsjahr wird ein Umsatz von 23-24 Mrd. DKK erwartet. Vor allem in Asien wachsen die Umsätze aktuell relativ stark, wobei sie in den USA leicht rückläufig sind. In China, dem weltweit größtem Markt für Schmuck, konnten sie ihre Umsätze fast verdoppeln. Negativ zu sehen ist aktuell die Entwicklung der Margen (EBITDA-Marge soll z.B. leicht von 39 % auf 38 % sinken) und der Wechselkurseinflüsse. Positiv ist, dass sie die Dividende quasi vervierfacht haben, da die 9 DKK jetzt nicht mehr jährlich, sondern quartalsweise gezahlt wird. Bei 36 DKK/Jahr und einem aktuellen Kurs von 615 DKK ergibt sich damit eine recht nette Dividendenrendite von rund 6 %. Ich habe mir kürzlich mal ein paar ins Depot gelegt.

Randstad

initiale Analyse vom 14.09.2016 - Kurs damals ca. 40 € - Kurs aktuell ca. 49 € (+ 22 %)
Auch beim europäischen Zeitarbeitsvertreter Randstad haben sich die Geschäfte im vergangenen Jahr gut entwickelt. Es gab Zuwächse an allen Fronten. Nur der Cashflow war leicht rückläufig. Mit einem KGV von rund 16 sind sie nicht wirklich preiswerter geworden. Ich bleibe hier ähnlich wie bei Manpower an der Seitenlinie. Aber sollte die Konjunktur mal einbrechen, wäre Randstad ein Unternehmen, bei dem man sicher nicht so viel falsch machen kann, wenn man dann ein paar Anteilsscheine erwirbt.

Rayonier Advanced Materials (RYAM)

initiale Analyse vom 16.09.2016 - Kurs damals ca. 11,80 $ - Kurs aktuell ca. 13,60 $ (+ 15 %)
Der amerikanische Zellulose-Spezialist hat im vergangenen Jahr eine kleine Achterbahnfahrt hingelegt. Sowohl vom Kursverlauf her (Tiefskurs 10,72 $, Höchstkurs 17,39 $), als auch vom Geschäftsverlauf. In 2016 gab es einen FCF/Aktie von 3,04 $. In den ersten 2 Monaten hat sich das allerdings schon wieder relativiert. Die Umsätze sind weiter rückläufig. Das Eigenkapital ist mittlerweile auf 221 Mio. $ angewachsen. Sie haben inzwischen etwa 368 Mio. an Cash angesammelt und nur noch 781 Mio. Schulden. Bevor hier allerdings Freude ausbricht, wird es schon wieder komplizierter, denn RYAM wird wohl zum Jahresende das kanadische Unternehmen Tembec übernehmen. Tembec-Aktionäre erhalten wohl 4.75 kanadische Dollar pro Aktie oder aber 0.2542 RYAM-Aktien. Der aktuelle Tembec-Kurs in Toronto liegt bei 4,58 CAD, so dass rein theoretisch ein Arbitrage-Geschäft mit 17 cent Gewinn möglich wäre (3,7 % in knapp 4 Monaten). Alle Leute, die letztes Jahr Tembec-Aktien für 0,90 CAD gekauft haben, dürften sich freuen. Finanziert wird das Ganze (870 Mio. wurden als Preis genannt) über vorhandenes Cash, neue Kredite und Ausgabe neuer Aktien (8.4 Mio). Tembec selbst hatte in 2016 1,5 Mrd. CAD an Umsatz und einen Nettogewinn von 20 Mio. Auf Basis dieser Zahlen ist der Übernahmepreis schon deftig. Diese ganze Transaktion inkl. Schätzzahlen des Gesamtunternehmens + Betrachtung der neuen Aktiengattung (WKN: A2AP94) wäre auf jeden Fall mal einen eigenen Artikel wert. Bis dahin bleibe ich der Aktie erstmal fern.

RPX-Corp (RPXC)

initiale Analyse vom 21.09.2016 - Kurs damals ca. 10,27 $ - Kurs aktuell ca. 12,55 $ (+ 22 %)
Das im Patent-Bereich tätige Unternehmen hat sich im vergangenen Jahr solide entwickelt. Für das GJ 2016 konnten sie ihren Umsatz auf 333 Mio. $ steigern. Der Nettogewinn ging im Vergleich zu 2015 allerdings von 39 Mio. auf 18 Mio. zurück. Der bei RPXC wichtigere FCF wurde allerdings von 38 Mio. auf 66 Mio. gesteigert. Mittlerweile sind auch schon wieder 244 Mio. $ an Cash und Cash Equivalents vorhanden, so dass sich ein Enterprise Value von lediglich rund 470 Mio. ergibt. Das Inventus-Geschäft entwickelt sich gut. In den ersten 6 Monaten 2017 konnten durch den neuen Geschäftsbereich 36 Mio. Umsatz und ein EBIT von 3,6 Mio. erwirtschaftet werden. Hier wird sich langfristig zeigen, ob sie mit dem 228-Mio.-Investment richtig lagen oder nicht. Das zwischenzeitliche Hoch hatte ich zum Ausstieg genutzt. Mal schauen, ob sich mal wieder die Gelegenheit bietet, ein paar Anteilsscheine zu erwerben.

Support.com (SPRT)

initiale Analyse vom 02.07.2016 - Kurs damals ca. 2,60 $ (splitbereinigt) - Kurs aktuell ca. 2,46 $ (- 5 %)
Bei support.com ist ein wenig was passiert. Es gibt einen neuen CEO (hatte ich erwartet), es wurde ein Reverse Split von 1:3 durchgeführt, damit man wieder auf einen Kurs über 1 $ kommt (hatte ich auch erwartet) und in 2017 gab es schon einmal ein paar Fortschritte auf operativer Ebene. Der Umsatz hat sich zwar negativ entwickelt. Allerdings konnte der Nettoverlust in H1 von 10,3 auf 1,4 Mio. verringert werden. Auf der Abfluss von Cash wurde von -7,5 auf -1,8 verringert. Effektiv haben sie jetzt knapp 51,6 Mio. an verfügbaren Mitteln, Total Liabilities von 8,3 Mio., was bei 18.7 Mio. ausstehenden Aktien einen Nettocashbestand von 2,31 $ ausmacht, was in etwa dem aktuellen Kurs entspricht. Das operative Geschäft bekommt man also quasi geschenkt inkl. knapp 204 Mio. an Verlustvorträgen. Das Unternehmen bleibt interessant, aber auch riskant. Sie sind weiterhin extrem abhängig von Comcast, welche für 64 % der Umsätze verantwortlich sind. Wären die clever, würden die SPRT kaufen (quasi für umsonst), könnten deren Dienstleistung integrieren und hätten zusätzlich jede Menge Verlustvorträge, welche sie evtl. zur Reduktion ihrer Steuerzahlungen nutzen könnten. Bei diesem Microcap gilt: Wenn, dann sollte man nur mit kleinen Beträgen hantieren. Ich bin aktuell nicht mehr mit von der Partie.

Syntel (SYNT)

initiale Analyse vom 21.12.2016 - Kurs damals ca. 19,80 $ - Kurs aktuell ca. 18 $ (- 9 %)
IT-Beratung - da war doch schon was: richtig. Syntel ist nach Accenture und Infosys das 3. Unternehmen der Branche, welches ich mir angeschaut hatte. Die Zahlen werden weiterhin durch ihre 'lass uns Cash aus Indien zurückholen und viele Steuern drauf zahlen'-Aktion verzerrt. Die letzten 3 Quartale sahen allerdings schon wieder ganz in Ordnung aus. Dort waren sie sowohl gewinnseitig als auch cashflowseitig wieder im positiven Bereich. Die Umsätze gingen insgesamt gesehen etwas zurück. Ich habe Syntel weiterhin im Depot liegen, da sich an meiner Investmentthese nicht so viel geändert hat.

Tesla (TSLA)

initiale Analyse vom 05.08.2016 - Kurs damals ca. 230 $ - Kurs aktuell ca. 348 $ (+ 51 %)
Starkes Umsatzwachstum (wie Netflix 10 Mrd. $-Grenze auf TTM-Basis überschritten), starkes Wachstum bei der Anzahl ausstehender Aktien und noch stärkeres Wachstum bei der Ausweitung des negativen Free Cashflow (mittlerweile -3 Mrd.). Haben die Solar City-Übernahme tatsächlich durchgezogen und damit ihre fanatischen Aktionäre glücklich gemacht. Bleiben weiterhin den Beweis schuldig, das Geld wert zu sein, was man investieren muss, um Teilhaber des Unternehmens zu werden. Für mich positiv: ich mache keine Leerverkäufe, sonst hätte ich mir hier wohl eine blutige Nase geholt.

The Walt Disney Company (DIS)

initiale Analyse vom 13.10.2016 - Kurs damals ca. 91,40 $ - Kurs aktuell ca. 102 $ (+ 11 %)
Weiterhin mein Lieblingsunternehmen - produktseitig gesehen. Ich konnte meine Sammlung erweitern. Die im Artikel angesprochene Schneewittchen-Limited-Edition steht aktuell genau so im Schrank, wie fast die komplette Marvel-Reihe, die Abenteuer des Jungen Indiana Jones und diverse Animationsfilme:

Filmseitig haben sie wie erwartet geliefert:

2016er-Charts weltweit (rote Markierung = Disney):

2017er-Charts (Stand August) weltweit:

Für dieses Jahr stehen auch noch der neue Marvel-Film 'Thor: Ragnarok' und der neue Star Wars-Film 'Die letzten Jedi' an, welche sicherlich auch wieder die Milliardengrenze bei den Einnahmen überschreiten werden. ESPN schwächelt weiterhin. Hier trifft Nutzerschwund (v.a wahrscheinlich durch andere Streamingangebote) auf steigende Ausgaben (NBA wurde teurer, Fussball wurde teurer). Interessant finde ich, dass sie ab 2019 ihre Angebote bei Netflix abziehen um ihr eigenes Streaming-Angebot zu stärken. Schauen wir mal, was das bringt. Ingesamt bleibe ich optimistisch.

Wichtiger Hinweis: Alle Aussagen stellen persönliche Meinungsäußerungen dar. Für die Richtigkeit dieser Aussagen und der hier dargestellten Zahlen wird keine Gewähr übernommen. Fehler und Fehlinterpretationen können enthalten sein. Von daher sind hier weder Kauf- noch Verkaufsempfehlungen enthalten. Bevor jemand in eines der hier besprochenen Unternehmen investiert, muss er sich selbst damit befassen und seinen eigenen Analysen anstellen.